Stadt Memmingen:Stadtmauer

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Sanierung Stadtmauer 2019

Bröckelnde Ziegel werden ausgetauscht - Juni 2020

Die Stadtmauer an der Kohlschanze wird Ziegel für Ziegel, Tuffstein für Tuffstein genauestens abgeklopft. Klingt ein Stein hohl oder zerbröckelt er unter dem leichten Hammerklopfen, wird er markiert und ausgewechselt. „Man hört es sofort, wenn ein Ziegelstein nicht mehr in Ordnung ist. Oder man spürt, dass der Stein wackelt“, erklärt Marco Pulz, Polier auf der Stadtmauerbaustelle vom Restaurierungsbetrieb Pressbau Erfurt GmbH. Verwitterte Steine werden durch intakte, aber ebenso alte Steine von anderen historischen Bauwerken in ähnlicher Farbgebung ausgetauscht. Dadurch soll erreicht werden, dass die ausgebesserten Teile später optisch nicht herausstechen.

Auch eigens hergestellte handgeformte Ziegel werden derzeit verbaut, um die Mauerkrone an der Kohlschanze aufzubauen. „Teile der alten Mauerkrone waren mit Beton verfüllt, deshalb wurde sie abgetragen und wird nun neu aufgebaut“, erläutert Pulz. Das Material für die Ziegel stammt aus mehreren Tongruben, um unterschiedliche Rottöne zu erhalten. Später ergibt sich dadurch ein lebendiges Farbspiel in der Ansicht der Mauerkrone. Zuletzt wird die Stadtmauer dann mit Biberschwanz-Dachziegeln abgedeckt.   

Katzenkopf und Eselsrücken - Mai 2020

Im Bereich rund um das frühere Kalchtor, neben der Mauer die parallel zur Kohlschanzstraße verläuft, haben Grabungen jetzt ein altes Pflaster zutage gefördert. Während ein schon lange verbauter Formstein den Fachleuten erst jetzt ins Auge gesprungen ist.

Es ist eng und dunkel zwischen dem Haus Nummer 47 in der Kalchstraße und der Stadtmauer, die einst zum Kalchtor führte. „Hier gab es früher eine kleine Gasse. Ein Durchgang, gerade mal so breit, dass eine Person hier gut laufen konnte“, schildert Archäologe Fabian Hopfenzitz den Ort, wie er wahrscheinlich noch vor 150 Jahren existierte. Hier in der vergessenen Ecke, in der die Arbeiter der Sanierungsmaßnahme nun die Fundamente der Mauer untersuchen sollten, kamen nun nach rund einem halben Meter Schutt und Dreck, die Steine eines recht gut erhaltenen Katzenkopfpflasters ans Licht.
Die kleine Gasse, die seit dem Abbruch des Kalchtors nicht mehr öffentlich zugänglich ist, da der Zugang zwischen Mauer und Bürgerhaus zugemauert wurde, offenbart, wie die zeitlichen Abläufe für die Bauten hier waren. „An dieser Stelle kann man gut festmachen, was wann abgerissen, umgebaut oder neu hinzugekommen ist“, erläutert Architekt Ludwig Kögl die Entdeckung. Die Arbeiten – mühsam händisch mit Bohrhammer und Schaufel erledigt – führten dann noch mindesten 30 bis 40 Zentimeter tiefer, damit die Stadtmauerfundamente genauer betrachtet werden konnten. Wenn die Sanierung weiter voranschreitet, wird jedoch bald nichts mehr zu sehen sein vom alten Gassenbelag, da die Mauer in diesem Bereich abgestützt werden muss. Und dass wird an dieser Stelle dann später ein schlanker Stahlbetonpfeiler erledigen.

Neben der Sichtung des Grunds in der ehemaligen kleinen Gasse, geht es auch daneben sichtbar voran. Entlang der Kohlschanze wurden die behelfsmäßig angebrachten Ziegel und Betonteile entfernt, die vor einigen Jahrzehnten provisorisch in die Mauer eingebracht wurden. „Wahrscheinlich sollten die Löcher einfach verfüllt werden, weshalb nicht auf das Material geachtet wurde“, mutmaßt Ludwig Kögl. Dieses wurde jetzt aber fachgerecht entfernt und vor allem die Mauerkrone wird nun wieder so hergerichtet, wie sie ursprünglich gebaut wurde. Die Ziegel werden dabei mit einer Schräge versehen und in drei Reihen nach oben gemauert.

Gemeinsam mit den Fachleuten wurde auch die Baustelle am Luginsland besichtigt, dabei fiel den Experten der Stadt und des Architekturbüros Kayser + Böttges | Barthel + Maus ein ungewöhnlich geformter Stein auf, der bisher noch nicht in den Untersuchungen erwähnt wurde. Der Stein mit sogenanntem Eselsrücken oder Kielbogen ist definitiv gotisch, ist also zwischen 500 und 800 Jahre alt. „Er zierte wohl früher mal ein repräsentatives Gebäude“, ist sich Christoph Engelhard, Leiter des Memminger Stadtarchivs, sicher. Ob es sich dabei jedoch um ein weltliches oder kirchliches Gebäude handelte, könne er nicht sagen. Da früher jedoch nichts weggeworfen wurde, das noch verwendet werden konnte, wurde er wahrscheinlich um das Jahr 1470 einfach bei den Bauarbeiten für die Stadtbefestigung verbaut. Die Stadtmauer im Bereich des Luginsland ist übrigens jünger, als der Teil an der Kohlschanze. Wer genau hinsieht, kann das auch an der gänzlich unterschiedlichen Mauerkrone erkennen.

550 Jahre alte Ziegel in den Schießscharten erklären Baugeschichte - November 2019

Es sind kleine Details, die bei den Sanierungsarbeiten in den Fokus der Bauforscher rücken. Vor kurzem haben die Experten des Münchner Ingenieurbüros Barthel & Maus in den Schießscharten an der Kohlschanze eine interessante Entdeckung gemacht. „Bei den Sanierungsarbeiten der Stürze haben wir schräg geschnittene Ziegel entdeckt, anhand derer wir die einzelnen Bauphasen sehr gut ablesen können“, erläutert Bauleiter Ludwig Kögl.

Der Fachmann erklärt die Bedeutung der schräg geschnittenen Ziegel genauer: Der älteste, hochmittelalterlich-romanische Teil der Mauer stammt aus dem 13. und 14. Jahrhundert und war mit großen Zinnen aus Tuffstein angelegt. Die zweite Bauphase erfolgte Mitte/ Ende des 14. Jahrhunderts. „Die Schießscharten zwischen den Zinnen wurden damals verkleinert, um eine Überdachung des Wehrgangs bauen zu können“, erläutert Kögl. „Denn die Spannweite zwischen den einzelnen, den Dachstuhl tragenden Balken durfte damals nicht zu weit sein.“ Die üblichen Waffen waren damals Armbrüste bzw. Pfeil und Bogen. „Damit der Schütze hinter der Mauer gesichert war und Platz hatte, wurden die Ziegel nach innen abgeschrägt. Die schmale Öffnung war an der Außenseite der Mauer.“ Ebensolche Reste abgeschrägter Ziegeln wurden nun entdeckt.

Eine dritte Bauphase kam mit der Verwendung von Feuerwaffen im 16. Jahrhundert. Man brauchte die breitere Öffnung jetzt nach außen in Richtung der Angreifer. „Die Feuerwaffen waren schwer, man musste sie innen auflegen. Damit man ein weites Schussfeld hatte, wurde die Mauer innen schmal mit einer Verbreiterung nach außen gemauert. Der Lauf der Feuerwaffe konnte so auf ein weites Feld seitlich und nach unten gerichtet werden“, erläutert der Bauforscher und ergänzt: „Die unterschiedlichen Bauphasen sind selten so eindeutig ablesbar wie an den Schießscharten der Memminger Stadtmauer.“ 

Denkmal von nationaler Bedeutung - Ältester bislang bekannter überdachter Wehrgang in Deutschland – September 2019

Es ist eine wirkliche Sensation: Der deutschlandweit älteste bislang bekannte überdachte Wehrgang einer Historischen Stadtmauer steht in Memmingen. Es handelt sich um den Wehrgang im rund 75 Meter langen Mauerabschnitt an der Kohlschanze. Darüber informierte Dr. Christian Kayser vom Münchner Ingenieurbüro Barthel & Maus bei einem Baustellenrundgang mit Medienvertretern. „Der überdachte Wehrgang ist ein ausgesprochen wertvolles Denkmal von nationaler Bedeutung“, betonte der Bauforscher. „Wir können sehr stolz sein auf unsere Historische Stadtmauer, und wir tun auch alles, um sie für die Nachwelt zu erhalten“, erklärte Oberbürgermeister Manfred Schilder.

Eine so genannte dendrochronologische Untersuchung der Jahresringe der im Dachstuhl verbauten Hölzer hat die Bauforscher aufmerken lassen: „Die Überdachung des Wehrgangs datiert auf das Jahr 1373“, informierte Ingenieur Dr. Kayser. Das Besondere daran: Die Historische Bauforschung war bislang davon ausgegangen, dass Wehrgänge erst im 15. Jahrhundert mit der Verbreitung von Handfeuerwaffen überdacht worden seien. „Man brauchte Überdachungen, um das Schießpulver trocken zu halten“, erklärte Kayser. In Memmingen hat man aber bereits rund 100 Jahre früher als andernorts eine Überdachung des Wehrgangs gebaut. „Die ersten Pulverbüchsen kamen um 1350 auf. Vielleicht hatte Memmingen damals schon teure Pulverwaffen“, überlegte Dr. Kayser. „Das wäre möglich, denn Memmingen war im Spätmittelalter eine sehr reiche Stadt. Bis ins 16. Jahrhundert hinein hat man auch viel in die Stadtmauer investiert.“

An der Überdachung aus dem 14. Jahrhundert lasse sich die spätmittelalterliche Bauweise hervorragend nachvollziehen, erläuterte Kayser. Es finden sich beispielsweise die im 14. Jahrhundert üblichen Zimmermannszeichen, etwa Einkerbungen ins Holz, um einen Balken zu kennzeichnen. „In Memmingen wird mit fundiertem Zimmermannshandwerk und restauratorischer Behutsamkeit saniert“, lobte Dr. Kayser. Herausgeschnitten werde altes Holz nur dort, wo es verfault sei oder von Pilz befallen. „Wir werden jedem einzelnen Balken gerecht“, erklärte Wolfgang Zettler, Geschäftsführer des beauftragten Bauunternehmens Zettler. „Das ist alte Zimmermannskunst, die unseren Mitarbeitern auch Spaß macht.“

Überdachter Wehrgang an der Kohlschanze wird saniert - Sommer 2019

Wie ein Rahmen wird ein Gerüst beidseitig um das rund 65 Meter lange Mauerstück an der Kohlschanze gebaut. Das Gerüstdach ermöglicht Sanierungsarbeiten bei jeder Witterung und schützt die Bausubstanz vor Regen. Ende 2019 soll die Sanierung des nördlichen Teilstücks abgeschlossen sein. Im kommenden Jahr schließt sich die Sanierung des Mauerstücks entlang der Kohlschanzstraße an. Die nächsten Schritte der Instandsetzung:

Statik Um den oberen Teil der Mauer zu stabilisieren, wird knapp alle 2m ein vertikaler Stahlanker eingebracht. Dazu wird zunächst senkrecht ein Loch gebohrt, in das danach der Stahlanker von oben eingebracht und mit Mörtel verpresst wird, um eine Verbindung zwischen Stahlanker und Mauerwerk zu gewinnen und einen Lastabtrag zu erzielen.

Maueroberfläche Durch Abgase und andere Umwelteinflüsse haben sich dunkle Verkrustungen auf der Maueroberfläche festgesetzt. Zur mechanischen Reinigung durch einen Spezialbaumeister werden zunächst auf kleinen Flächen Reinigungsmuster erstellt. Daraufhin wird anhand dieses Musters geklärt, welche Reinigungsmethode zum Einsatz kommt. 

An mehreren Stellen finden sich Rötelmalereien, die noch genauer datiert und analysiert werden.

Dach Das Befestigungsnetz über den Dachziegeln wird abgenommen, die Ziegel werden einzeln abgetragen und ihr Zustand geprüft. Das Dach ist derzeit teilweise mit Mönch-und-Nonne-Ziegeln gedeckt, teils mit Biberschwanzziegeln. „Die im Mittelalter gebräuchliche Form auf Wehrgängen war „Mönch und Nonne“. Zukünftig soll das ganze Wehrgangdach damit gedeckt werden“, erläutert Projektleiterin Viktoria Schuster vom Münchner Ingenieurbüro Barthel & Maus. Bei allen Sanierungsarbeiten gelte der Grundsatz: Was erhalten werden kann, wird erhalten. Jedoch sind zahlreiche Ziegel bereits sehr porös und zerbrechen bei der ersten Berührung.

Auch die Holzkonstruktion des Dachstuhls wird instandgesetzt. Jeder Balken wird dazu geprüft und die Rückschnittlängen morscher Balkenteile genau überlegt.  

 

 

Probebohrungen im Mauerstück an der Kohlschanze - November 2018

Probebohrungen in der historischen Stadtmauer finden im November 2018 beim Teilstück an der Kohlschanze statt. Ein kleiner Teil der Dachziegel wurde abgetragen, um von oben vertikal in die Außenschale des Mauerwerks bohren zu können. Das Ziel: Mit Hilfe eingebrachter Stahlanker soll das Mauerstück zukünftig stabilisiert werden, genauer gesagt der obere Teil der Mauer vom Wehrgang an aufwärts. „Diesen Teil nennt man die Brustwehr, sie ist teilweise nur knapp 50 Zentimeter breit und an manchen Stellen schief, da braucht es für einen ausreichenden Lastabtrag eine Sicherung“, erklärt Viktoria Schuster, Projektleiterin der Mauersanierung des Münchner Ingenieurbüros Barthel&Maus.

Überlegt worden sei anfangs auch eine Sicherung mit Hilfe einer relativ auffälligen Trägerkonstruktion im Wehrgang. „Doch sowohl die Denkmalpflege als auch die Stadt haben sich für die Anker entschieden. Davon wird man fast nichts sehen“, erläutert die Ingenieurin.

Startschuss für Sanierung der historischen Stadtmauer - Mai 2018

Mit dem symbolischen ersten Baggerbiss unweit des Ulmer Tors hat Oberbürgermeister Manfred Schilder im Beisein von Vertretern der planenden und ausführenden Baufirmen, des Stadtrats, der Verwaltung und der Medien jetzt den Startschuss für die Sanierung der historischen Stadtmauer gegeben. Über den Auftakt der wichtigen Erhaltungsmaßnahme des "umfangreichsten Baudenkmals der Stadt" freute sich auch Ehrenbürger Josef Miller, Staatsminister a.D. und Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Landesstiftung. 

"Die Sanierung ist ein Megaprojekt", betonte der Oberbürgermeister. Die Vorbereitungen für den Erhalt der Stadtmauer liefen seit Jahren und rückten deren Bedeutung wieder stärker in den Fokus.

Als ehemals freie Reichsstadt verfüge Memmingen noch heute über bedeutende Teile der Stadtmauer aus dem 14. und 15. Jahrhundert, einige Teile stammten gar aus dem zwölften Jahrhundert. Die Mauer erstrecke sich über rund zwei Kilometer. "Fünf Stadttore, sechs Mauertürme und drei Turmruinen gehören dazu", zählte Schilder auf. Es gebe Überlegungen, die Mauer in Zukunft für Bürgerinnen und Bürger sowie für Touristen besser erlebbar zu machen, berichtete der Oberbürgermeister.

Die Gesamtsanierung soll grob geschätzt zehn Jahre dauern. Allein der erste Bauabschnitt mit der statischen Sicherung der Stadtmauer vom Luginsland bis zum Ulmer Tor sowie im Bereich der Kohlschanze werde zwei bis drei Jahre dauern und rund 2,2 Millionen Euro kosten. "Das muss es uns wert sein", betonte der Rathauschef und dankte der Bayerischen Landesstiftung für Fördermittel in Höhe von 158.000 Euro und dem Bezirk Schwaben für Zuschüsse von rund 56.000 Euro.

Felix Martin, Mitglied der Geschäftsführung des beauftragten Münchner Ingenieurbüros "Barthel und Maus", erläuterte die anstehenden Arbeiten. Als wichtigste Maßnahme werde die Mauer zunächst mit Erdnägeln verankert, um dem Erddruck der barocken Bastionsanschüttung entgegenzuwirken. "Der früher vorhandene Graben wurde zugeschüttet, so dass ein großer Höhenunterschied zwischen Außen- und Innenseite der Mauer besteht und diese sich deshalb nach innen neigt", erklärte Martin. Nach der statischen Sicherung stehe die Instandsetzung der Fugen und Ziegel auf dem Plan.

"Es ist eine wichtige Maßnahme, die die Stadt in Angriff nimmt", freute sich Josef Miller und dankte dem Stadtrat für die Bereitstellung der Mittel. Die Mittel der Landesstiftung seien sehr gut eingesetzt.

Hinweis: Der Band "Die Stadtmauer von Memmingen" von Dr. Christian Kayser von "Barthel und Maus" wurde vom Historischen Verein Memmingen herausgegeben, nähere Informationen gibt es auf der Homepage des Vereins.

Sanierung Stadtmauer 2018