Stadt Memmingen:Wald und Forst

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Die Wälder Memmingens: Vorstellung Forstbetrieb und Städtische Forstverwaltung

Unser Team

Die anfallenden Forstarbeiten, werden größtenteils von eigenen Forstwirten und Saisonarbeitern übernommen. Zusätzlich bildet die Stadt selbst noch Forstwirte aus, die die Zukunft sichern sollen.

Die Arbeiten die in den zwei Revieren, eingeteilt in Nord und Süd, anfallen werden von den beiden Förstern organisiert und koordiniert.

Der Wald im Klimawandel

Folgen des Klimawandels für die Stabilität der Wälder:

Der Klimawandel trifft nicht nur die Eisflächen der Erde, oder die Landwirtschaft. Die Forstwirtschaft ist ebenfalls gezwungen sich dieser unsicheren Zukunft zu stellen und ihre Strategien daran anzupassen. Diesen Herausforderungen muss sich die Forstwirtschaft in den nächsten Jahrzehnten stellen:

Zunahme der Klimaextreme – Prognosen:

  • Trockenperioden werden häufiger und länger
  • Niederschläge in der Vegetationsperiode nehmen ab.
  • Starkniederschläge häufen sich.
  • Intensität und Häufigkeit von Stürmen nehmen zu.
  • Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur um mind. 2 Grad Celsius bis 2100.

Folgen der Klimaänderung für den Wald:

  • Trockenstress führt zu Zuwachsverlusten, Vitalitätsschwächungen und höherer Waldbrandgefahr. Das Befallsrisiko durch Insekten und Pilze steigt.
  • Zunehmende Kalamitäten haben Holzentwertungen, Ertragsausfälle, Standortsveränderungen und eine Destabilisierung der Waldökosysteme zur Folge.
  • Fichte und weitere Baumarten werden in weiten Teilen des Tieflandes bis in die mittleren Berglagen als Wirtschaftsbaumarten ausfallen und müssen durch andere Baumarten ersetzt werden.

Strategien der Stadt Memmingen zur Schaffung stabiler und klimatoleranter Wälder:

Umstellung vom einschichtigen Alterklassenwald zum gemischten Dauerwald (Naturnaher Waldbau).

  • Schaffung mehrschichtiger, möglichst unterschiedlich alter Bestände.
  • Dauerhafte Bestockung, d.h. Vermeidung von Kahlflächen.
  • Einzelstammweise- oder Kleingruppennutzungen: Plenternutzung.
  • In der Umstellungsphase: Strukturfördernde Durchforstungen und Voranbau von Buchen- und Tannen im Schutz der Altbestände.

Zudem versucht die Forstverwaltung klimatolerante Baumarten frühzeitig in den Altbestand einzubringen und zu fördern. Um so wenig wie möglich in den natürlichen Kreislauf der Saat einzugreifen, werden oftmals die natürlichen Verjüngungen genutzt um den Mischwald zu stärken. Nur wenn keine oder die unpassende Naturverjüngung wächst, müssen Mischbaumarten durch Saat und Pflanzung aktiv eingebracht werden und somit eingegriffen werden. Diese klimataugliche Waldverjüngung funktioniert jedoch nur bei angepassten Wildbeständen, weswegen eine intensive Bejagung des Schalenwildes stattfindet und das Ziel verfolgt die Verjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen zu ermöglichen.

Geschichtlicher Rückblick

Mit der Einräumung von Stadtrechten im 13. Jahrhundert wandelte sich der Städtische Allmendewald allmählich zum Bürgerwald, wurde aber immer noch ausschließlich von den Bürgern Memmingens genutzt. Erst das Jahr 1818 brachte der Stadt das Alleineigentum am Bürgerwald.

Der Wald der Unterhospitalstiftung ist ein Körperschaftswald des öffentlichen Rechts, der von der Stadt betreut und verwaltet wird. Er stellt heute bloß noch den bescheidenen Rest einst sehr umfangreicher Forsten dar, deren Ursprung auf Besitzungen des seit Beginn des 13. Jahrhunderts in Memmingen wirkenden Ordens „Sanctus Spiritus de Roma“ (Heiliggeistorden) zurückgeht. Deren Mitglieder wurden auch Kreuzherrn genannt. Die Unterhospitalstiftung bewirtschaftete einst 3300 ha Wald. 

Auch der Wald der Dreikönigskapellenstiftung ist Körperschaftswald des öffentlichen Rechts, der unter städtischer Verwaltung steht. Er stammt aus einer Dotation des Memminger Bürgers Nicolaus Tagbrecht aus dem Jahre 1399 und wurde schon immer „Lauber Wald“ genannt, weil er einst zum Dorf Lauben gehörte. Die Schenkung Tagbrechts ermöglichte die Errichtung einer Pfründeanstalt (Altersheimstätte für Alte und Arme) im Kapellgäßchen hinter der Dreikönigskapelle.

1804 wurden die Städtischen Wälder dem neu gebildeten Königlichen Forstamt Ottobeuren zugeteilt, das eine strenge Aufsicht ausübte und die Nutzungen reglementierte (Beginn der planmäßigen Forstwirtschaft und leider vielerorts das Ende der bis dato vorhandenen Mischwälder).

Nach einem Jahrhundertorkan im Jahr 1920, der 34.000 fm Holz warf, was damals dem siebenfachen Jahreseinschlag entsprach, entschied die Stadt einen eigenen Förster einzustellen und eine stadteigene Forstverwaltung zu gründen. Der erste Stadtförster hieß Paul Wagner, er war im Amt bis 1953.

Heute bewirtschaftet die Städt. Forstverwaltung die stadteigenen Wälder mit drei Betriebsverbänden und getrennter Buchführung:

  • Stadtwald – Größe: 514 ha
  • Wald der Unterhospitalstiftung – Größe: 461 ha
  • Wald der Dreikönigskapellenstiftung – Größe: 268 ha

Gesamt: 1.243 ha und somit zweitgrößter Kommunaler Waldbesitzer Schwabens, nach Augsburg.

Außerdem betreut die Forstverwaltung den Gemeindewald Boos und den Wald der Kirchengemeinde St. Johann in Erlenberg bei Erkheim.

Insgesamt werden von der Städt. Forstverwaltung rund 1.550 ha Wald bewirtschaftet, der wiederum in zwei Reviere, Nord und Süd, mit je einem Revierleiter aufgeteilt ist. Der Großteil der anfallenden Arbeiten werden von 9 Forstwirten, bzw. Waldarbeitern und zwei Forstwirtsauszubildenden durchgeführt. Die Städt. Forstverwaltung ist zudem Bundesfreiwilligendienst-Stelle.

Um nachfolgenden Generationen einen wertvollen, gesunden und stabilen Wald zu hinterlassen sollen die Städtischen Wälder in Zeiten des Klimawandels fit für die Zukunft gemacht werden. Hierzu sollen die von der Fichte dominierten Wälder in klimaresistente Mischwälder mit einem Nadelholzanteil von 60% und einem Laubholzanteil von 40% umgebaut werden.

Derzeitige Baumartenzusammensetzung:

  • Nadelholz 70 % 
  • Laubholz 30 % 

Gesamter Holzeinschlag:

  • 12.000 fm (Festmeter ≈ Kubikmeter) pro Jahr 
  • 3.000 fm pro Jahr in Boos

Unsere wichtigsten Aufgaben:

  • Sicherstellen einer nachhaltigen Waldnutzung und –pflege.
  • Fortführen des Waldumbaus hin zu stabilen und vitalen Mischwäldern.
  • Versorgen der örtlichen Bevölkerung mit bezahlbarem Brennholz und der vornehmlich lokalen Sägewerke mit Bauholz.
  • Sicherstellen und Verbessern der diversen Waldfunktionen, vor allem der Erholungsfunktion in den stadtnahen Wäldern (z.B. AOK-Nordic Walking Trail, Trimm-Dich-Pfad).
  • Organisation und Durchführung der Bejagung.
  • Waldpädagogik.
  • Wegebau und Unterhalt der Waldanlagen (z.B. Trimm-Dich-Pfad).
  • Begründen neuer Waldbestände und Ausnützen der Naturverjüngungen unter Berücksichtigung der staatlichen Zuschussmöglichkeiten.
  • Wald- und Forstschutz.