Silhouette Stadtmuseum (Hermansbau)

Stadtmuseum im Hermansbau
Zangmeisterstr. 8 
(Eingang Hermansgasse)
87700 Memmingen

Tel.: 08331/850-134
Fax: 08331/850-244

Eintritt:

  • Erwachsene 3,30 €
  • Ermäßigung 2,20 € (Rentner, Studenten, Schwerbehinderte)
  • Jugendliche (13-18 Jahre) 2,00 €
  • Familienkarte 5,50 € (Kinder bis 18 Jahre frei)
Logo Zeitmaschine Freiheit

Öffnungszeiten

während der Winterausstellung
vom 26.11.2017 – 28.01.2018

Dienstag bis Sonntag
sowie an Feiertagen
10–13 Uhr und 14–17 Uhr

Am 24., 25., 26. und 31.12.2017 sowie am 1.1.2018 geschlossen

Aktuelle Ausstellung

Die Kufen brodeln, wir rodeln! Sirch – Holzdesign aus dem Allgäu (26.11.2017 bis 28.01.2018)
Ausstellungsplakat

Seiteninhalt:

Stadtmuseum Memmingen

Hermansbau (Zangmeisterstraße)
Hermansbau

Das Stadtmuseum Memmingen weist den Weg in die Geschichte unserer Stadt und zeigt ein Gemeinwesen, das über Jahrhunderte hinweg eine bedeutende Rolle in Gewerbe und Handel aber auch in Politik und Religion spielte. Kunst und Kultur, Alltagssorgen und Obrigkeit werden mit einer Vielzahl von Ausstellungsstücken wieder lebendig. Sehenswert auch die Barockgalerie mit Gemälden von Johann Heiss  (1640-1704) und die edle Feinkeramik der Memminger Fayencemanufaktur „Künersberg“. Angeschlossen ist das Heimatmuseum Freudenthal/Altvater mit einer Spezialsammlung zur sudetendeutschen Stadt Freudenthal.

Das Stadtmuseum Memmingen befindet sich in einem spätbarocken Stadtpalais, das 1766 im Auftrag des Patriziers Benedikt von Herman erbaut wurde. Der sogenannte Hermansbau beeindruckt durch seine gutgegliederte Rokokofassade und erinnert vor allem mit seinem schönen Innenhof und dem barocken Treppenhaus mit allegorischer Deckenmalerei an einen südländischen Palazzo. Die städtischen Sammlungen, deren Grundlagen 1885 gelegt wurden, sind seit 1936 in diesem Prachtbau aufbewahrt und spiegeln Geschichte und Kultur der evangelischen Reichsstadt wieder. Großzügige Zimmerfluchten in zum Teil originaler Ausstattung vermitteln einen Eindruck von der patrizischen Wohnkultur und führen den Besucher von der Vor- und Frühgeschichte zur Rechts-, Kirchen- und Zunftgeschichte Memmingens. 

Johann Heiss: "Triumph des Herbstes"
Bild aus dem Gemäldezyklus "Die Vier Jahreszeiten"
Enghalskrug Künersberg
Enghalskrug Künersberg

Mit dem Schaubereich "Leben in der Reichsstadt Memmingen" wird den Besucherinnen und Besuchern des Stadtmuseums eine erlebnishafte Begegnung mit der Geschichte ermöglicht. Memmingen und seine Reichsstadtgeschichte sind dabei keineswegs nur als Heimatgeschichte von Bedeutung. Reichsstädtisches Leben war über viele Jahrhunderte hinweg die Keimzelle für weitreichende Entwicklungen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Welt. Die Darstellung der Memminger Begebenheiten kann damit auch als Beispiel für viele andere Städte und Regionen im alten Reich verstanden werden.

Anschaulich und lebendig sind in der südlichen Zimmerflucht des prächtigen Rokokobaus die Besonderheiten der reichsstädtischen Jahrhunderte dargestellt und zusätzlich der Versuch unternommen, den persönlichen Lebenszyklus eines Reichsstädters oder einer Reichsstädterin von der Geburt bis zum Tod zu visualisieren. Behandelt sind Bereiche wie Schule und Beruf, aber auch die vielen wirtschaftlichen und sozialen Aspekte und die kulturellen und künstlerischen Leistungen in Musik und Theater, die das Leben der Stadtbewohner charakterisierten.

Ein mehr chronologisch geordneter Blick erläutert zudem die ereignisgeschichtlichen Schwerpunkte Stadtentstehung und Stadtrechtsentwicklung, Reformation und Bauernkrieg, Dreißigjähriger Krieg sowie die Aufhebung der Reichsfreiheit im Jahre 1802/03. Von entscheidender Bedeutung für das Verstehen der Vergangenheit ist die Thematik des Religiösen bzw. Konfessionellen. Zwischen evangelischer Glaubenslehre und der Minderheitenrolle der Katholiken bewegte sich über Jahrhunderte hinweg das Leben in der Stadt. Die bestimmende Rolle der geistlichen und weltlichen Obrigkeit schließt ab mit den Themen Gerichtsbarkeit, Almosen- und Spitalwesen.

Weitere Höhepunkte des Rundgangs sind die Bilder des Memminger Barockmalers Johann Heiß und die Stücke der Fayencemanufaktur Künersberg, die im 18. Jahrhundert von dem Memminger Patrizier Jakob v. Küner betrieben wurde. Diese besonders hochwertigen Fayencen zählen heute zu den begehrtesten Beispielen der europäischen Feinkeramik.

Wechselausstellungen im Themenbereich der Stadt- und Kunstgeschichte ergänzen die Dauerausstellung.

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Jüdisches Leben in Memmingen (1862-1942)

Einen Blick in die jüngere Geschichte unserer Stadt eröffnet der Ausstellungsbereich "Jüdisches Leben in Memmingen ".

Beginnend mit der Zuwanderung jüdischer Landbevölkerung in den Jahren nach 1860 entwickelte sich in Memmingen eine aufstrebende jüdische Gemeinde, die um die Jahrhundertwende über 200 Mitglieder zählte und mit der Einweihung der neuen Synagoge 1909 einen nie wieder erreichten Grad der Anerkennung in unserer Stadt erfuhr. Als ökonomisch initiative Neubürger trugen Sie in Handel und Fabrikation, aber auch in akademischen Berufen als Ärzte und Anwälte zur wirtschaftlichen Blüte der Stadt bei. Erfolg im Beruf, Anerkennung im Vereinsleben, Achtung im gesellschaftlichen Umfeld sind Bausteine einer insgesamt hoffnungsvollen Entwicklung, die das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Memmingen kennzeichnen und die den jüdischen Memmingern die Hoffnung gab, den formal erreichten Bürgerrechten auch die volle gesellschaftliche Akzeptanz hinzufügen zu können.

Zu Beginn der 1920er Jahre zeichneten sich allerdings erste Vorboten einer Entwicklung ab, als antisemitische Ausgrenzungen bereits in die Richtung des nationalsozialistischen Terrors verwiesen.

Mit historischen Dokumenten und Fotos aus dem Stadtarchiv Memmingen, mit Zeitzeugeninterviews auf Video und bedeutenden Erinnerungsstücken zur jüdischen Kultur in unserer Region kann in der Abteilung ein Bild gezeichnet werden, das die Möglichkeit zu einem friedvollen Zusammenleben genauso dokumentiert wie das leidvolle Ende der Juden in unserer Stadt.

Inhaltlich und chronologisch geordnete Themenfelder dokumentieren in sieben Stationen das Leben der Juden in Memmingen. Die Zusammenschau der gewerblichen, gesellschaftlichen und politischen Integration vor 1933 mit den Maßnahmen der Entrechtung und Ermordung in den Jahren nach 1933 machen deutlich, dass die Wertschätzung eines jüdischen Deutschtums keine tragfähige gesellschaftliche Basis hatte, als vergebene historische Chance aber nicht vergessen werden sollte.

Jüdische Geschichte wird zu einem Stück Stadtgeschichte, gerade weil die großen Entwicklungslinien sowohl in den Zeiten wachsender Integration wie in der Phase der verbrecherischen Ausgrenzung und Vernichtung bewusst und ausschließlich mit Memminger Dokumenten illustriert werden.