Kriegsgefangenenlager Stalag VII B Memmingen 1940-1945 Sportschule am Volkspark im Westen Memmingens, Fotografie und Auszug aus einem Stadtplan von 1937 Lageplan des Stalag VII B Memmingen nach der Ankunft britischer Gefangener, skizziert von einem US-amerikanischen Gefangenen, März 1945 Mit Befehl des Wehrkreiskommandos VII vom 21. Juni 1940 wurde zur Entlastung des Stammlager VII A Moosburg in Memmingen das Stalag VII B für den Regierungsbezirk Schwaben errichtet. Die Unterbringung erfolgte ab Juli/August 1940 in den ehemaligen Gebäuden der (1933 am Hühnerberg errichteten) SA-Sportschule sowie in Baracken und Zelten. Das Memminger Lager hatte zunächst eine Kapazität von etwa 1.000, später etwa 1.700 Personen; zum Kriegsende befanden sich vermutlich etwa 3000 französische, sowjetische, britische, jugoslawische und amerikanische Gefangene im Stalag. Mehr als 20.000 Kriegsgefangene waren bis April 1945 auf ca. 800 Arbeitskommandos verteilt. Entwässerungsplan für das Stalag VIIB, Juni 1943 Nach Beginn des deutschen Feldzuges gegen die Sowjetunion überführte die Lagerleitung des Stalag VII B 92 russische Gefangene als "weltanschaulich untragbar" ins Konzentrationslager Dachau, wo sie ermordet wurden. Nach dem Waffenstillstand mit Italien im September 1943 wurden in Memmingen auch italienische Gefangene interniert. Im Stalag oder in naheliegenden Arbeitskommandos verstorbene Gefangene wurden auf einem gesonderten Feld des Waldfriedhofes (Grabfeld 15) bestattet; ihr Tod wurde allerdings nur teilweise in den Memminger Personenstandsbüchern protokolliert. Erhaltene Gebäude des Stalag VII B (vormals SA-Sportschule) Organisation des Stalag VII B Verwaltungskten im Stadtarchiv Personenbezogene Unterlagen im Stadtarchiv Polizei-Monatsberichte im Stadtarchiv Chronikalische Notizen des Bürgermeisters Fotografien und Filme im Stadtarchiv Links und Literaturhinweise Tagung der Bezirksheimatpflege "Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit in Schwaben" (2023) Online-Tagung "Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit in Schwaben (2021) Erhaltene Gebäude des Stalag VII B (vormals SA-Sportschule) Flüchtlingslager vor dem Beginn des Siedlungsbaues 1949 Stalag VII B, skizziert von einem US-Gefangenen, März 1945, genordet Wohl nirgends sonst im Memminger Stadtgebiet lassen sich Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts besser nachvollziehen als am Hühnerberg. Die Geschichte des Areals wurde 2019 von einem Arbeitskreis des Historischen Vereins Memmingen auf Informationsstelen skizziert: Bismarckturm (1904/08) Volks- und Sportpark (1929 ff.) SA-Sportschule (1933/34) Wehrmachtskaserne (1936-1940) Stalag VII B (1940-1945) Flüchtlingslager/-siedlung (1946 ff.) Erhalten haben sich am Memminger Rübezahlplatz einige Gebäude der SA-Sportschule bzw. des Stalag VII B (sog. Oberes Lager), da sie ab 1946 sudetendeutschen Flüchtlingen und Heimatvertriebenen für Gewerbe- und Wohnungszwecke zur Verfügung gestellt werden konnten. Eine Gebäudegruppe unterhalb des Hühnerberges (sog. Unteres Lager) ist nicht mehr vorhanden. Die vom Memminger Architekten Hans Wagner (1898-1958, vgl. Luttenseekaserne in Mittenwald sowie zahlreiche NS-Siedlungshäuser in Memmingen) entworfenen Gebäude gruppieren sich um den einstigen Lagerplatz und schlossen das Lager nordwestlich ab. Im Südosten erstreckte sich das Kriegsgefangenenlager mit seinen Baracken und Zelten (siehe Lageplan eines US-Gefangenen, März 1945) über die heutige Hühnerbergstraße bis zur Bodenseestraße. Durch den ab 1949 forcierten Siedlungsbau wurde das Areal stark überformt. Organisation des Stalag VII B Lagerkommandanten waren Oberstleutnant Koch, Oberstleutnant Schuster, Oberstleutnant Gayer, Oberst Burger, Oberst Winiwarter sowie deren Stellvertreter Major Margerie, Major Lindenmüller und Oberstleutnant Wöhler. Letzterer übergab als Lager- und Stadtkommandant am 26. April 1945 das Stalag den anrückenden US-amerikanischen Truppen. Die Verwaltung war in folgende Gruppen eingeteilt: Gruppe I: Kommandantur und Hauptkartei, Gruppe II: Arbeitseinsatz, Gruppe III: Poststelle und Bekleidung, Gruppe IV: Zahlmeisterei. Hinzukamen Lageroffizier, Lagerarzt und Heeresstandortverwaltung. Karteien der Gefangenen haben sich im Stadtarchiv Memmingen nicht erhalten; nur in wenigen Einzelfällen lassen sich Angaben zu Aufenthalt oder Arbeitseinsatz machen. Möglicherweise im Nachgang zu einem Besuch ehemaliger französischer Kriegsgefangener 1965 in Memmingen verfasste Georg Habdank 1969 einen mehrseitigen Bericht über die Organisation des Stalag VII B Memmingen ("Kriegschronik"). Das Manuskript des Angehörigen der Stabkompagnie des Stalag vermittelt Einblicke in Aufbau und Organisation des Kriegsgefangenenlagers, aber kein vollständiges Bild der Geschichte des Lagers und der Haftbedingungen im Lager. Von Georg Habdank stammt auch eines der beiden erhaltenen Fotoalben zum Stalag VII B. StalagKriegschronik.pdf Verwaltungsakten im Stadtarchiv Vision eines SA-Sportschule am Stadion, von Architekt Hans Wagner, 1933 Stalag-Zahlmeisterei zum Gefangeneneinsatzes in der Landwirtschaft Informationen zu Bau und Unterhalt des Stalag könnten sich in Unterlagen einschlägiger Wehrmachtsdienststellen befinden (siehe Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg). Waren kommunale Angelegenheiten oder Zuständigkeiten tangiert, kann man auch in städtischen Unterlagen fündig werden. Bau eines Arbeitslagers bzw. einer SA-Sportschule, errichtet nach Plänen des Memminger Architekten Hans Wagner durch die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitsbeschaffung bzw. den SA-Sportschulverein 1933 entlang von Spitalmühlweg und Hühnerbergstraße Entwässerung des Kriegsgefangenenlagers am Hühnerberg, 1942 Beschlagnahme der Turnhalle am Ratzengraben für das Stalag VII B, 1944 Wochenlisten und Abrechnungen zum Stalag-Arbeitskommando 1437 in der Gemeinde Dickenreishausen 1940/41 sowie Einsatz ausländischer Arbeitskräfte 1940 ff. und ihre Erfassung im Februar/Juni 1946 Personenbezogene Unterlagen im Stadtarchiv Lager für Ausländer im Stadtgebiet, 22. Mai 1943 Gräber für Kriegsgefangene des Stalag VII B am Waldfriedhof (Gräberfeld 15) Sterbeeintrag und Grabstein eines Kriegsgefangenen am Waldfriedhof Leider haben sich die Karteien der Kriegsgefangenen sowie der auf Arbeitskommandos verteilten Zwangsarbeiter nicht enthalten. Personen, die sich nach der Befreiung des Stalag noch einige Tage, Wochen oder Monate in Memmingen aufhielten oder hier in Memmingen verstorben sind, können in folgenden Unterlagen registriert sein: Namenslisten aller "Militär- und Zivilpersonen der Vereinten Nationen und aller anderen Ausländer, deutscher Juden und staatenloser Personen", die sich vorübergehend oder dauernd in der Gemeinde Memmingen aufgehalten haben (darunter auch Listen von Firmen, u.a. des Baugeschäftes Franz Unglehrt) / Meldelisten an den Suchdienst des Internationalen Roten Kreuzes, 1946 ff. Einträge in den Personenstandsunterlagen von Stadt und eingemeindeten Orten (Sterbebücher) Namensverzeichnisse der Friedhofsverwaltung zum Gräberfeld am Waldfriedhof Polizei-Monatsberichte im Stadtarchiv Auszug aus dem Polizeibericht, April 1942 Auszug aus dem Polizeibericht, April 1942 Auszug aus dem Polizeibericht, Dez. 1942 Auszug aus dem Polizeibericht, Dez. 1942 Auszug aus dem Polizeibericht, Sept. 1943 Auszug aus dem Polizeibericht, Dez. 1944 Vom Juni 1941 bis März 1945 erstattete die Schutz- und Kriminalpolizeiabteilung der Stadt Memmingen monatliche Bericht. Die strukturierten Berichte gliedern sich zumeist in folgende Abschnitte: Teil I Stimmung, Haltung und Einsatz der Bevölkerung Gerüchte / Volks- und staatsfeindliche Bestrebungen Kriminalität Verhalten der ausländischen Arbeiter und Kriegsgefangenen Unfälle und Notstände Umquartierung und Wohnraumbewirtschaftung Verhalten der Kirchen Juden Öffentliche Sicherheit Luftschutz Teil II Landwirtschaft Versorgungslage und Gesundheitszustand der Bevölkerung Handel, Industrie, Gewerbe und Handwerk Sonstiges Chronikalische Notizen des Memminger Bürgermeisters Von Memmingens Bürgermeister Dr. Heinrich Berndl (1932-1945) sind (unvollständige) Manuskripte zu den Geschehnissen in Memmingen von 1943 bis zum Kriegsende 1945 erhalten. Die "Chronik" ist nach verschiedenen Aspekten sortiert, u.a. Allgemeine Stimmung, Fischertag, Fliegerhorst, Grundstücksangelegenheiten, Kriegsgefangenenlager, Luftschutz, Partei/Gliederungen, Polizei, Stadtsparkasse, Stadtverwaltung, Stiftungen, Wehrmacht. BerndlChronikKriegsgefangenenlager.pdf Fotografien und Filme Kriegsgefangene vor einer Baracke im Stalag VII B, Aufnahme aus einem privaten Fotoalbum Befreiung des Lagers 1945, Aufnahme eines US-Gefangenen Fotoalbum eines Mitglieds der Lagerverwaltung (Georg Habdank, undatiert aus Privatbesitz) Fotoalbum eines US-Gefangenen (Ray Sherman) zur Befreiung des Stalag VII B am 26. April 1945 und zum Lagerleben der anschließenden Tage (aus Privatbesitz) Fotografien aus der Zeit nach 1945 (Nutzung der Gebäude und Baracken zur Unterbringung von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen bzw. derer Gewerbebetriebe) StalagVIIB-Memmingen-Fotoalbum-Lager.pdf 10 MB StalagVIIB-Memmingen-Fotoalbum-Befreiung.pdf 10 MB Filmsequenzen "Liberation of Stalag VII B Memmingen “ Filmsequenzen "Liberation of Stalag II" Links und Literaturhinweise Webseite des "Stalag Moosburg e.V. Verein zur Förderung kultureller Begegnung" ( www.stalag-moosburg.de ) Webseite des Suchdienstes des Internationalen Roten Kreuzes / Arolsen Archives - International Center on Nazi Persecution (Große Allee 5 – 9, 34454 Bad Arolsen, +49 (0)5691 629-0) ( www.arolsen-archives.org ) Webseite des US-Memorial Museum zum Stalag VII B Memmingen "The United States Holocaust Memorial Museum Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945" Webseite zur Gedenkfeier "80-Jahre-Kriegsende" am 26. April 2025 am Rübezahlplatz (ehem. Lagerplatz Stalag VII B) Lufbildrecherchestation des Bayerischen Luftbildzentrums u.a. mit Bildern von 1945 zum Stalag VII B am Hühnerberg Webseite des Bezirksschwaben über NS-Erinnerungsorte im Regierungsbezirk Schwaben Hoser, Paul: Die Geschichte der Stadt Memmingen. Vom Neubeginn im Königreich Bayern bis 1945, Stuttgart 2001, insbes. S. 268-269, 279-280 Jobe, Wilbur: Die Heimatvertriebenen Memmingens. Dokumentation, masch.schr., Memmingen 1991 Otto, Reinhard: Wehrmacht, Gestapo und sowjetische Kriegsgefangene im deutschen Reichsgebiet 1941/42 (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Bd. 77), München 1998 Speckner, Hubert: In der Gewalt des Feindes. Kriegsgefangenenlager in der 'Ostmark' 1939 bis 1945, München 2003 Bischof, Günter / Karrer, Stefan / Stelzl-Marx, Barbara: Kriegsgefangene des Zweiten Weltkrieges: Gefangennahme - Lagerleben - Rückkehr, Wien 2005 Otto, Reinhard / Keller, Rolf / Nagel, Jens: Sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam 1941–1945. Zahlen und Dimensionen, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 2008, S. 557-602 Schreiber, Gerhard: Die italienischen Militärinternierten im deutschen Machtbereich 1943-1945, Verraten – Verachtet – Vergessen, München 1990 Overmans, Rüdiger in Zus.arb. mit Andreas Hilger und Pavel Polian: Rotarmisten in deutscher Hand. Dokumente zu Gefangenschaft, Repatriierung und Rehabilitierung sowjetischer Soldaten des Zweiten Weltkrieges, Paderborn: Schöningh 2012 Reither, Dominik: Stalag VII B Moosburg. Ein Kriegsgefangenenlager 1939-1945, Moosburg 2015 Reither, Dominik / Rausch, Karl / Abstiens, Elke / Fößme20ier, Christine: Auf den Spuren verlorener Identitäten. Sowjetische Kriegsgefangene im Stalag VII A Moosburg, 2. korr. Aufl., Moosburg 2018 Otto, Reinhard / Keller, Rolf: Sowjetische Kriegsgefangene im System der Konzentrationslager (Mauthausen-Studien 1), 2019 Tagung "Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit in Schwaben" (2023) Trotz einiger lokaler Studien seit Ende der 1990er Jahre, liegt zur Zwangsarbeit in Schwaben noch Vieles im Dunkeln. Am 24./25. März veranstaltete die Bezirksheimatpflege Schwaben eine Tagung in Irsee, um den Stand der Forschung in und für Schwaben zu bestimmen und die bisher gewonnenen Erkenntnisse zusammenzutragen. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Rolle des Kriegsgefangenenlagers Stalag VII B in Memmingen. Sektion 1: Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft Christoph Lang: Einführung Corinna Malek: Kriegs- und Zwangsarbeit im Moor Sektion 2: Die Kriegsgefangenenlager Stalag VII A (Moosburg) und Stalag VII B (Memmingen) Rüdiger Overmans: Das Kriegsgefangenlagersystem Julia Devlin: Das Stalag VII A Moosburg Christoph Engelhard: Das Stalag VII B Memmingen Jakob Wolf: Das Stalag VII B Memmingen im Kontext des deutschen Kriegsgefangenenwesens Petra Schweizer-Martinschek / Michael von Cranach: Die Behandlung von ausländischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren Sektion 3: KZ-Zwangsarbeit in Schwaben Edith Raim: Das KZ-System - eine Einführung Wolfgang Kucera: Zwangsarbeit in Augsburg Sabine Klotz: Zwangsarbeit in Augsburg Markus Naumann: KZ-Zwangsarbeit in Kempten Sektion 4: Zivile Zwangsarbeit in Schwaben Barbara Zeitelhack: Portraitfotografien von Zwangsarbeitern Dieter Weber: Zivile Zwangsarbeiterschicksale in Kempten Peter Stöferle: Zwangsarbeit im NSDAP-Kreis Neu-Ulm Matthias Georgi: Zwangsarbeit bei der LEW Sektion 5: Erinnerungskultur nach 1945 Sylvia Heudecker: NS-Erinnerungskultur sehen und verstehen Veronika Heilmannseder: Erinnerungskultur nach 1945 in Schwaben Online-Tagung "Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit in Schwaben" (2021) Zur Einführung in die Thematik "Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit in Schwaben" fand am Freitag, 22. Oktober 2021 eine Online-Tagung statt. Sektion 1: Kriegsgefangenschaft in der NS-Diktatur Moderator: Prof. Dr. Dietmar Süß, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Universität Augsburg Dr. Rüdiger Overmans: Das Kriegsgefangenenwesen der Wehrmacht Dr. Reinhard Otto: Die sowjetischen Kriegsgefangenen im Reich Sektion 2: Zwangsarbeit in der NS-Diktatur Moderatorin: PD Dr. Edith Raim, Lehrbeauftragte für Neuere und Neueste Geschichte, Universität Augsburg Peter Stöferle: Zwangsarbeit in Stadt und Kreis Neu-Ulm Dr. Sven Feyer: Unternehmen und Zwangsarbeit: Die MAN im Dritten Reich