Die Auswirkungen des Klimawandels auf Memmingen beschäftigte in der jüngsten Sitzung auch den Memminger Stadtrat. Marcus Geske, Leiter der Stadtwerke Memmingen, informierte über die Trinkwasserversorgung und die Entwicklung des Grundwasserstandes. Dabei betonte er, dass die aktuell beobachteten niedrigen Grundwasserstände keine Einschränkungen für die Trinkwasserversorgung erwarten lassen, zugleich aber Anlass für eine verstärkte Beobachtung und fachliche Prüfung der Versorgungssicherheit geben.
In seinem Bericht ging Geske zunächst auf die Grundwassersituation und die Wassergewinnung ein. Das Rohwasser für die öffentliche Trinkwasserversorgung wird aus zwei südlich von Benningen gelegenen Trinkwasserbrunnen gewonnen. Das Wassereinzugsgebiet erstreckt sich von Süden kommend entlang des Memminger Trockentals und gilt als sehr ergiebig. Der Grundwasserpegel unterliegt jahreszeitlichen Schwankungen und ist direkt abhängig von in diesem Gebiet fallenden Niederschlägen. Die Aufzeichnungen der Ruhewasserpegel beider Brunnen seit 2010 zeigen, dass zunehmende Ausbleiben der typischen Verläufe der Jahreszeiten. So gab es in den Jahren 2019, 2023 und 2026 Niedrigwasserperioden, im Juni 2024 dafür Hochwasser. Derzeit ist ein bisher historische Niedrigpegel erreicht. Allerdings lässt sich ebenfalls erkennen, dass innerhalb kurzer Zeit die Fähigkeit zur Regeneration besteht, sollte es zu mehrtägigen Niederschlägen kommen.
Auf die Förderleistung der beiden Brunnen und die Versorgungssituation der Stadt hat der niedrige Pegelstand in absehbarer Zeit keine Auswirkungen. Diese Auffassung wird vom Wasserwirtschaftsamt Kempten und vom Zweckverband zur Wasserversorgung der Woringer Gruppe geteilt.
Die Ausbautiefe beider Brunnen beträgt rd. 18 m, die Ansaugöffnungen der jeweils 3 verbauten Unterwasserpumpen befinden sich zwischen 13 und 14 m unterhalb des Brunnenkopfdeckels. Das bedeutet, dass selbst bei einem theoretisch und gleichbleibend fallenden Grundwasserpegel über nochmals weitere zwei Jahre die Pumpen ausreichend mit Wasser angeströmt werden. Diese Pegelentwicklung ist nach fachlicher Einschätzung des Wasserwirtschaftsamtes Kempten (WWA) nicht realistisch, da das Memminger Trockental durch mehrere unterirdische Zuströme gespeist wird.
Die geringe Wassermenge im Benninger Ried und im Stadtbach, zwei höhergelegene Austrittsstellen, sind bedingt durch die fallenden Pegelstände.
Zum Schluss zog Geske ein Fazit und erklärte das weitere Vorgehen. So zeigen sich die Auswirkungen des Klimawandels auch in unserer Region durch atypische Niederschlagsmuster mit länger anhaltenden Trockenperioden und vermehrten Starkniederschlägen. Letztere wirken in der Regel aber nicht grundwasserneubildend. Die Erfahrungen der letzten Zeit zeigen, dass das Grundwasserdargebot weder qualitativ noch quantitativ „unantastbar“ ist. Eine akute Risiko- oder Gefährdungslage ist indes derzeit und selbst bei gleichbleibend fallendem Grundwasserpegel mittelfristig nicht zu befürchten.
Unabhängig davon gilt es, die weitere Entwicklung des Grundwasserstands aufmerksam zu beobachten. Ein fachlicher Austausch mit dem Wasserwirtschaftsamt Kempten fand erstmalig bereits am 7.7.26 statt, um eine belastbare Redundanz für die Brunnen sowie entsprechende Entlastungs- und Ausweichszenarien zu prüfen.