Wenn Anna und Konstantin Pantschenko im MIR (Migrations- und Integrationshilfe) in der Münchner Straße ankommen, dann erwarten sie in der Regel bis zu acht Kinder vom Kindergarten- bis ins Grundschulalter. Jeden Freitag betreut das Ehepaar einen Zeichenkurs für Aquarellmalerei und das seit über 4 Jahren. „Als im Frühjahr 2022 so viele Menschen aus der Ukraine geflüchtet sind, war uns klar, dass wir helfen wollen“, sagt Anna Pantschenko. Und da Anna und Konstantin früher in Kasachstan in pädagogischen Berufen gearbeitet haben, entschieden sie sich dazu ehrenamtlich Zeichenkurse anzubieten.
„Die Kinder konnten im Frühjahr 2022 nicht kurzfristig in den KiTas untergebracht werden. Deshalb wollten wir vor allem diese Mädchen und Jungen ansprechen“, erzählt Anna. Und zusätzlich suchten Sie den Kontakt zu den geflüchteten Familien: „Wir kamen 2002 aus Kasachstan nach Memmingen. Wir wissen, wie man sich fühlt; welche Informationen man braucht; über die Stadt und die deutsche Lebensweise, wenn man neu ist. Das wollten wir vermitteln. Beschäftigung für die Kinder, Infos für die Eltern“, fasst es Konstantin zusammen.
Das Projekt hat seither durchgängig Bestand, mit wechselnden Kindern und Eltern, aber mit immer neuen Ideen. Für ihre Stunden bereitet Anna jede Woche etwas vor, für beide Altersstufen. Zum Beispiel in den Garten gehen und sich einen Baum genau ansehen oder Kürbisse mitbringen, die die Kinder dann abzeichnen können oder bunte Vorlagenbilder: „Die Motive für die jüngeren Kinder sind einfacher, sie können sich nicht so lange konzentrieren. Die der Älteren sind anspruchsvoller. Manchmal erlernen sie auch eine neue Technik,“ erzählt Anna Pantschenko. Ihr Mann übernimmt entweder die jüngeren Kinder oder kommt mit den Erziehungsberechtigten ins Gespräch. Manchmal liest eines der Mädchen auch den jüngeren Kindern aus den Kinderbüchern des MIR vor.
Jurij Borodkin, Leiter des MIR, freut sich sehr, dass die Zeichenstunde von Anna und Konstantin so ein Erfolg ist. Und dass ganz nebenbei die Menschen aus der Ukraine sich im MIR wohlfühlen und die Beratungsstelle kennen. „Das ehrenamtliche Engagement der beiden ist wirklich überragend und dass, obwohl sie kein Ukrainisch können. Die Kommunikation läuft auf Deutsch und zum Teil Russisch, für alle Beteiligten Fremdsprachen“, führt Borodkin aus. Trotzdem klappe es bemerkenswert gut, sich zu verständigen.
Die vielen wunderbaren Kunstwerke die in den vier Jahr entstanden sind, dürfen die Kinder als Mappe mit nach Hause nehmen, wenn sie nicht mehr in den Kurs kommen. Zusätzlich gibt es eine Ausstellungswand mit wechselnden Bildern im Gemeinschaftsraum des MIR. Auf welche die Kinder ganz stolz seien, berichtet Anna Pantschenko. Und es erfüllt sie ebenfalls mit Freude, wenn die Kinder sich wie selbstverständlich verabschieden und sich bereits freuen auf den nächsten Freitag.