Sie wirken nicht nur als Kälbchen wie Kuscheltiere, auch ausgewachsen sehen sie mit dem langen zottligen Fell und den ausladend geschwungenen Hörnern aus wie aus dem Bilderbuch: die Schottischen Hochlandrinder. Auch in Memmingen gibt es Liebhaber der sehr ursprünglichen Rasse, zum Beispiel Georg Dauner, der mit seiner kleinen Herde unter anderem auch Ausgleichsflächen der Stadt Memmingen pflegt. Der Metzger aus Amendingen hat schon seit 2022 ein paar Tiere und ist voll des Lobes über deren charakterliche Eigenschaften: „Die sind total entspannt und genügsam, sehr intelligent und dabei absolut brav.“ Das macht eine extensive Mutterkuhhaltung in der Herde möglich, in der auch der Bulle mit den Kühen und den Kälbchen auf der Weide bleiben kann. Nur die Ochsen müssen von den anderen räumlich getrennt werden, da sonst zu viel Unruhe herrscht.
Auch ihre Eigenschaften als Pfleger der Feuchtwiesen sind optimal, lobt Ferdinand Fehler, Naturschutzfachkraft der Stadt Memmingen. Durch die geringe Größe und die großen Klauen schonen sie den Boden, sind mit mageren Wiesen zufrieden und ihre Hinterlassenschaften düngen den Boden und fördern zusätzlich die Artenvielfalt. Das sieht man nicht nur an den zum Teil seltenen Pflanzen auf den Feuchtwiesen. „Ich beobachte hier auch eine ungeheuer große Zahl an Vögel. Die fühlen sich hier wohl, weil ein breites Angebot an Insekten vorhanden ist“, berichtet Dauner.
Für den Metzgermeister sei die Herde mit elf Tieren ein Hobby, das sich für die schon seit vielen Jahrzehnten in der Familie befindlichen landwirtschaftlichen Flächen einfach angeboten habe. Da die Rinder zusätzlich ganz außergewöhnlich gutes und gesundes Fleisch produzieren, ist es für ihn zusätzlich eine Möglichkeit, sein Sortiment in der Metzgerei ein wenig zu erweitern und seinen Kunden etwas Besonderes zu bieten. Wer davon etwas abbekommen möchte, muss allerdings schnell sein. „Der letzte Ochse, der geschlachtet wurde, war schon verkauft, noch bevor der Schlachttermin stand“, berichtet Dauner. Das Fleisch der Färsen und Ochsen unterscheidet sich auch deshalb von konventioneller Ware, da die „Schotten“ sich den ganzen Tag auf der Weide bewegen dürfen. Es wird nichts zugefüttert, was die Tiere schnell Fett ansetzen lässt. Somit ist das cholesterinarme Fleisch ein komplett regionales Erzeugnis, von Tieren die sommers wie winters mindestens vier Jahre im Familienverbund draußen bleiben dürfen.
Georg Dauner ist Mitglied im Verband Deutscher Highland Cattle Züchter und Halter. Deren Infotafeln hängen an den Toren der Weideflächen und informieren vorbeikommende Spaziergänger oder Radelnde über die vielen Vorteile der Schottischen Hochlandrinder und die ganzjährige Weidehaltung. So kann man auch im Vorbeigehen lernen, was die Vorteile der extensiven Haltung ist und wie ökologisch und nachhaltige Fleischproduktion aussehen kann. Was auf den Schildern nicht steht: das lange Zottelhaar, das den Tieren weit über die Stirn fällt, schützt die Augen der Tiere vor Fliegen und anderen zudringlichen Insekten. Die überlangen Stirnfransen sind also kein Ausdruck jugendlichen Aufbegehrens, sondern hilfreiches Detail von Mutter Natur.