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Aus dem Leben starker Memmingerinnen

Erstellt von Pressestelle |

Rund 150 Interessierte bei Rundgang zu FrauenOrten: Kühne Wegbereiterinnen, kreative Köpfe und stille Heldinnen

Mit „Tante Lydia“ verbinden viele Ältere in Memmingen eine Vorreiterin der Kinderbetreuung, die schon 1916 einen privaten Kindergarten auf Basis der Fröbel-Pädagogik gründete und Generationen der kleinsten Memmingerinnen und Memminger betreute – in einer Zeit, als frühkindliche Bildung kaum jemand ernst nahm. Die Erzieherin Lydia Kleyer (1896-1971) ist eine der besonderen Memminger Frauen, die Heimatpflegerin Sabine Streck bei der Spezialstadtführung „FrauenOrte“ vorstellte. Rund 150 Interessierte tauchten dabei in die Geschichte starker Memminger Frauen ein.  

Ausgewählt wurden die Frauen durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, das Bayerns starke Frauen in einem neuen Online-Format würdigt FrauenOrte | Bayerns Frauen - Jede anders stark!. Zur Memminger Frauen-Geschichte liegen zahlreiche Frauenbiographien vor, die in den vergangenen 30 Jahren von der Frauengeschichtswerkstatt Memmingen e.V. recherchiert wurden. „Vier Memminger Frauen haben den Sprung in das frauenpolitische Projekt des Staatsministeriums geschafft. Ihre Geschichten motivieren und begeistern“, erläuterte Claudia Fuchs, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt und Koodinatorin des Projekts FrauenOrte in Memmingen.

Der Rundgang führte zu den Wirkungsorten der Frauen, an denen neue Schilder auf die „FrauenOrte“ hinweisen. Die Erzieherin Lydia Kleyer kaufte vor über hundert Jahren die ehemalige Sommergaststätte der Brauerei „Zum Bauerntanz“ am Westertor und richtete dort ihren Kindergarten ein. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es in Memmingen seit 1848 erst eine „Kinderbewahranstalt“ gegeben. Ein Kindergarten war Neuland. Eine Teilnehmerin des Rundgangs erzählte, dass sie selbst bei Lydia Kleyer in Ausbildung war. „Es gab feste Tische mit Spielzeug, die Kinder wurden jeweils einem Tisch zugeordnet. Wählen, was sie spielen wollten, konnten sie nicht“, erzählte die Zeitzeugin. Der Kindergartenalltag sei von Disziplin und Ordnung geprägt gewesen. „Lydia Kleyer war eine durchsetzungsstarke Frau“, charakterisierte Sabine Streck. „Sie war 55 Jahre lang Kindergartenleiterin, eine kühne Wegbereiterin, sie hat Wichtiges geleistet.“

Vorgestellt wurden außerdem: die reiche Witwe Elisabeth Lauginger (1440-1509), die eine Stiftung für ärmere Frauen ins Leben rief, um ihnen ein selbstständiges Leben und Bildung zu ermöglichen; die Solotänzerin und Ballettmeisterin Erika Lindner (1908-1988) mit europaweiten Auftritten, die in Memmingen eine Schule für Bühnentanz und Tanzpädagogik gründete; die Telefonistin Tina Mußack (1933-2021), die sich als blinde Frau ein selbstständiges Leben erkämpfte und durch ihr Engagement im Blindenbund viele andere unterstützte.

Alle Frauen hatten gemeinsam, dass sie sich mit großer Leidenschaft zugunsten ihrer Mitmenschen eingebracht und ihr Leben aktiv gestaltet haben. Dies teilen sie mit einer fünften Frau, die im Rathaus vorgestellt wurde: Margareta Böckh, Memmingens erste Ehrenbürgerin. „Sie war als junge Frau Gardemädchen beim Karneval in Mainz, wo sie ihren Mann, einen Schwaben aus Amendingen, kennenlernte. In Memmingen hat sie alles aufgemischt. Sie hat sich engagiert, sich eingebracht, war da und hat Präsenz gezeigt und alles mit Liebe gemacht, sodass man die Empathie spüren konnte“, beschrieb Sabine Streck. Margareta Böckh erzählte aus ihrem Leben und von ihren zahlreichen Engagements in Kommunalpolitik, Kirche und Kinderschutzbund und erhielt langanhaltenden Beifall von den dicht gedrängten Gästen im 1. Stock des Rathauses. Dort ist ihre Ehrenbürgerschaft in deiner Tafel in Stein gemeißelt: „Margareta Böckh, Bürgermeisterin – 2026“

Die Spezialstadtführung wurde veranstaltet von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Claudia Fuchs, der Frauengeschichtswerkstatt Memmingen e.V. und der Heimatpflegerin Sabine Streck.

Rund 150 Interessierte haben beim Rundgang „FrauenOrte“ teilgenommen. Heimatpflegerin Sabine Streck erzählt im Garten der heutigen Tanzschule Uschi Buhmann im Zollergraben aus dem Leben von Solotänzerin und Ballettmeisterin Erika Lindner. (Fotos: Alexandra Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen)
Vier neue Schilder machen in der Innenstadt auf die FrauenOrte aufmerksam. Das Schild für die Stifterin Elisabeth Lauginger ist im Klösterle zu entdecken.
Eine starke Frau der Gegenwart: Memmingens erste Ehrenbürgerin Margareta Böckh berichtete im Rathaus aus ihrem Leben.

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