Der Memminger Stadtrat hat den nächsten entscheidenden Schritt für die zukünftige Wärmeversorgung der Stadt beschlossen: Mit lediglich zwei Gegenstimmen wurden die Stadtwerke Memmingen damit beauftragt, das Vertragswerk auf Grundlage eines erarbeiteten Letter of Intent (LOI) zu finalisieren. Ziel ist die Unterzeichnung der Verträge im vierten Quartal 2026.
Bereits im Januar 2024 hatte der Stadtrat die Stadtwerke beauftragt, die Gründung einer kommunal geprägten Wärmegesellschaft zu prüfen, geeignete Partner zu identifizieren und die entsprechenden Rahmenbedingungen zu erarbeiten. In der Folge wurde ein interner Arbeitskreis eingerichtet, bestehend aus dem Oberbürgermeister, Vertreterinnen und Vertretern des Werkausschusses und der Stadtwerke sowie externen Beratern. Dieser Arbeitsprozess mündete nun in den vorliegenden LOI, der die Grundlage für die weitere Umsetzung bildet.
Der LOI sieht vor, zum 1. Januar 2027 eine gemeinsame Wärmegesellschaft in Rechtsform einer GmbH & Co. KG mit Sitz in Memmingen zu gründen. Der finale Name der Wärmegesellschaft wird im weiteren Prozess gemeinsam mit allen Vertragspartnern abgestimmt und festgelegt. Die neue Gesellschaft soll aus der bestehenden Fernwärme Memmingen GmbH & Co. KG hervorgehen. Die Stadt Memmingen wird mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafterin, während die E-CON AG 49 Prozent der Anteile hält.
Zu den zentralen Inhalten des LOI zählen neben der Mehrheitsbeteiligung der Stadt ein anteiliger Kaufpreis von 2,295 Millionen Euro zuzüglich des anteiligen handelsrechtlichen Eigenkapitals sowie die anteilige Absicherung von 51 Prozent der Verbindlichkeiten durch die Stadt beziehungsweise die Stadtwerke. Die Gesellschaft wird von einer technischen und einer kaufmännischen Geschäftsführung geleitet. Der Aufsichtsrat wird paritätisch mit sechs Personen besetzt, wobei bei Stimmengleichheit der Oberbürgermeister den Ausschlag gibt.
Inhaltlich setzt die neue Wärmegesellschaft klare Schwerpunkte auf die Transformation der Energieversorgung. Vorgesehen ist ein beschleunigter Ausstieg aus der Erdgasversorgung bis spätestens 2050. Zur Kompensation zahlt die Gesellschaft über einen Zeitraum von zehn Jahren insgesamt zwei Millionen Euro an die Stadtwerke. Gleichzeitig wird das Geschäftsfeld deutlich erweitert, unter anderem um Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen, Stromspeicher und Ladeinfrastruktur.
Das Wärmenetz Süd wird anteilig erworben. Hingegen ist das Wärmenetz Nord zunächst von der neuen Gesellschaft ausgenommen. Im LOI ist allerdings festgehalten, dass das Wärmenetz Nord langfristig in die gemeinsame Wärmegesellschaft hineinwächst. Zielszenario ist ein großes Memminger Wärmenetz, damit nicht mehr zwischen Nord und Süd unterschieden werden muss. Das Wärmenetz wird wachsen und auch strukturell perspektivisch einen Zusammenschluss finden.
Weiterhin steht im LOI, dass zwei Vollzeitkräfte die Gesellschaft führen sollen. Zum einen ein Geschäftsführer mit technischem Hintergrund, für den die E-CON AG das Vorschlagsrecht hat, zum anderen ein kaufmännischer Geschäftsführer, der von der Stadt bestellt wird.
Zudem wird die Stadt einen bereits eingereichten Förderantrag zur Nutzung von Tiefengeothermie zurückziehen und stattdessen die Antragstellung durch die E-CON AG unterstützen. Für den Fall eines Ausstiegs der E-CON oder einer Liquidation der Gesellschaft fällt das Erlaubnisfeld an die Stadt zurück.
Die geplanten Gesamtinvestitionen bis Ende 2026 belaufen sich auf rund 26,25 Millionen Euro, wobei Fördermittel sowie Baukostenzuschüsse bereits berücksichtigt sind. Einschließlich der bisherigen Entwicklungs- und Planungsleistungen ergibt sich ein prognostizierter Gesamtwert von etwa 30,75 Millionen Euro netto. Die Finanzierung erfolgt über eine Kombination aus Eigenmitteln und Darlehen, wobei die Stadt beziehungsweise die Stadtwerke künftig 51 Prozent der Darlehen absichern.
Mit dem aktuellen Beschluss stellt der Stadtrat die Weichen für eine langfristig sichere, nachhaltige und stärker kommunal geprägte Wärmeversorgung in Memmingen.