Wenn sich am 20. und 21. November renommierte Historikerinnen und Historiker aus Bayern, Baden-Württemberg, Vorarlberg und weiteren Regionen im Memminger Rathaus versammeln, steht ein Thema im Mittelpunkt, das weit über die Geschichtswissenschaft hinausweist: „Grenzen in der Region“. Das Memminger Forum für schwäbische Regionalgeschichte bringt erneut ausgewiesene Fachleute der Regional- und Landesgeschichte zusammen und macht Memmingen für zwei Tage zu einem wichtigen Treffpunkt der historischen Forschung.
Die Tagung widmet sich Grenzen in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Sie können territorial und staatlich, konfessionell oder wirtschaftlich sein – aber auch als soziale, kulturelle oder gedankliche Grenzen verstanden werden. Die Referentinnen und Referenten fragen danach, wie Grenzen entstanden, wie sie ausgehandelt und verändert wurden und wie Menschen mit Grenzüberschreitungen umgingen. Im Mittelpunkt stehen konkrete historische Fallbeispiele vom Beginn der Neuzeit bis in die Zeitgeschichte.
Hochkarätige Forschung in Memmingen
Das Programm versammelt eine bemerkenswerte Dichte an wissenschaftlicher Expertise. Zu den Referierenden gehören unter anderem Friederike Hausmann, Sabine Ullmann, Wolfgang Petz, Anke Sczesny, Harald Derschka, Alexander Denzler, Katrin Holly und Wolfgang Scheffknecht. Sie beleuchten das Tagungsthema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven – von historischen Staats- und Gemeindegrenzen über Grenzkonflikte und Wirtschaftsbeziehungen bis hin zu Verkehrswegen, Elektrizitätsversorgung und Schmuggel im Bodenseeraum.
Bereits der Auftakt macht die inhaltliche Breite deutlich: Peter Fleischmann führt in die Begriffe „Mark – Grenze – Territorium“ ein. Anschließend geht es unter anderem um die Entstehung der Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg, die Gemeindegebietsreform in Schwaben, historische Grenzkonflikte und die Frage, wie sich regionale Identitäten an Grenzen herausbilden. Am zweiten Tag weitet sich der Blick auf überregionale Märkte, historische Geschichtslandschaften, Schwellenräume und grenzüberschreitende Wirtschaftsbeziehungen.
Ein besonderer Höhepunkt erwartet die Besucherinnen und Besucher am Freitagabend: Um 19 Uhr hält der Memminger Historiker und Stadtarchivar Christoph Engelhard den öffentlichen Abendvortrag „Begrenzte Möglichkeiten: Memminger Bemühungen um mehr Einfluss in der Region“. Damit führt die Tagung ihr übergreifendes Thema unmittelbar zurück nach Memmingen und in die eigene Geschichte der Stadt.
Memmingen als Ort der Forschung
Dass diese Tagung in Memmingen stattfindet, ist dabei weit mehr als eine organisatorische Entscheidung. Seit 1986 widmet sich der Verein Memminger Forum für schwäbische Regionalgeschichte der regionalgeschichtlichen Forschung und insbesondere dem historischen Raum Schwaben. Die Stadt Memmingen unterstützt den Verein und leistet damit seit Jahrzehnten einen kontinuierlichen Beitrag zur wissenschaftlichen historischen Forschung. In Die Tagung wird in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Memmingen im Zwei-Jahres-Rhythmus im Memminger Rathaus umgesetzt. Unterstützt wird die Tagung zudem vom Bezirk Schwaben und der Sparkasse Schwaben-Bodensee, die damit ihr Engagement für Kultur, Wissenschaft und die regionale Geschichte unterstreichen.
Für die Öffentlichkeit bietet das Forum die Möglichkeit, niederschwellig an dieser wissenschaftlichen Arbeit teilzuhaben. Die Teilnahme ist kostenfrei, auch der Besuch einzelner Vorträge ist möglich. Tagungsort ist der barrierefreie Sitzungssaal im Erdgeschoss des Memminger Rathauses. Eine Anmeldung ist bis 6. November 2026 möglich im Kulturamt Memmingen unter Tel. 08331-850 1400 oder per Mail kulturamt@memmingen.de.
Infos sowie das Tagungsprogramm unter www.forum-regionalgeschichte.memmingen.de