Bunte Erinnerungskugeln leuchten auf dem Waldfriedhof am neu gestalteten Grabfeld für Sternenkinder, die viel zu früh verstorben sind. Der Verein Sternenkinder Memmingen e.V. hat die Neugestaltung gemeinsam mit dem Klinikum Memmingen und dem städtischen Garten- und Friedhofsamt mit viel Liebe und mit großer Unterstützung zahlreicher Sponsoren und vieler Einzelspenden in die Hand genommen. Entstanden ist ein Ort zum Trauern, Erinnern und Verweilen. In dieser Woche wurde das neu gestaltete Grabfeld beim Weißen Engel eingeweiht.
Sternenkinder sind Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt versterben. „In vielen Familien ist das Thema sehr präsent, viele leben ihr Leben lang mit der Trauer um ihr Sternenkind“, erklärte Oberbürgermeister Jan Rothenbacher und dankte den engagierten Ehrenamtlichen des Vereins Sternenkinder Memmingen, dem Klinikum Memmingen und dem Amt für Stadtgrün und Friedhöfe für die Neugestaltung eines zeitgemäßen Bestattungs- und Erinnerungsortes.
Die Gestaltung des Sternenkinder-Grabfeldes lag bei Bildhauerin Lioba Abrell. „Die Kugel als Symbol hat weder Anfang noch Ende. Sie steht für Unendlichkeit und die Überwindung von Zeit und Raum“, erläuterte die Künstlerin. Eltern können eine farbige Glaskugel auswählen und den Namen ihres verstorbenen Kindes eingravieren lassen. Bei der Beisetzung wird die Kugel in eine Kugelstele eingelassen. Dort bleibt sie ein Jahr, bevor die Familie sie nach Hause nehmen kann. „Das Einsetzen der Namenskugel kann selbst Teil eines persönlichen Abschiedsrituals werden“, erklärte Lioba Abrell.
In einer Stele aus Muschelkalk wird die Kugelform in einer konkaven Mulde aufgegriffen. „Sie steht symbolisch für den Platz, den das Kind im Leben seiner Familie immer haben wird“, so die Bildhauerin weiter. Eine horizontale Nut in der Stele steht für den tiefen Einschnitt, den der Verlust eines Kindes im Leben einer Familie bedeutet. Die Linie geht schließlich auf einer Seite der Stele in den Schriftzug „In Liebe“ über. Mehrere Sitzbänke, die Bepflanzung und eine Kugelbahn aus Muschelkalk, die auch für Geschwisterkinder gedacht ist, runden die Gestaltung des geschützten Erinnerungsraumes ab.
„Es ist zentral in unserer Zeit, Trauer sichtbar zu machen und zu zeigen, dass Menschen nicht vergessen sind“, erklärte Staatsminister a.D. Klaus Holetschek, Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag, bei der Eröffnung des Grabfeldes.
In Memmingen wurden Sternenkinder bereits seit den 1990er Jahren bestattet, lange bevor die Bestattungspflicht 2005 in Kraft trat. „Schon damals wurde erkannt, wie wichtig es für betroffene Eltern ist, einen Ort zu haben, an dem sie Abschied nehmen, ihrer Kinder gedenken und ihrer Trauer Raum geben können“, erklärte Sonja Schalk, 1 Vorsitzende des Vereins Sternenkinder Memmingen. Aus dieser Überzeugung heraus habe sich der Verein gegründet. Da die bestehende Grabstätte mittlerweile in die Jahre gekommen war, wurden 2024 Planungen für eine Neugestaltung und Erweiterung begonnen. Sonja Schalk und 2. Vorsitzende Stephanie Weißfloch dankten den vielen Sponsoren und Unterstützern. „Entstanden ist ein Ort für Familien. Ein Ort, an dem auch Geschwisterkinder willkommen sind, an dem sie Dinge entdecken, mit der Kugelbahn spielen und einfach nur Kind sein können,“ erklärte Stephanie Weißfloch. „Die mit den Namen gravierten Erinnerungskugeln bringen Licht an diesen besonderen Ort und schenken den Sternenkindern einen sichtbaren Platz.“
Das neugestaltete Grabfeld wurde von Diakon Winfried Eichele, Leiter der katholischen Klinikseelsorge, und Pfarrer Matthias Striebeck gesegnet.