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„FREIheitsforum Memmingen“ startet

Erstellt von Pressestelle |

Neues Format bietet Raum für Dialog und Kultur – 24. Februar bis 12. März 2026 – Thema: § 218 - Schwangerschaftsabbruch

Nach einem intensiven Event- und Gedenkjahr „500 Jahre Zwölf Artikel“ bietet die Stadt Memmingen ab heuer ein neues Format im Geist der Zwölf Artikel und der darin geforderten Menschen- und Freiheitsrechte an: Das FREIheitsforum Memmingen startet am 24. Februar und soll zukünftig in Erinnerung an die Bauernversammlung in der Memminger Kramerzunft am 6./7. März 1525 jährlich Anfang März stattfinden. „Wir möchten mit dem FREIheitsforum gesellschaftlich wichtigen Themen Raum geben. Mit verschiedenen Formaten wie Theater, Podiumsdiskussion oder Lesung sollen Themen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden. Das FREIheitsforum soll zum Nachdenken anregen und den Austausch fördern“, erklärt Oberbürgermeister Jan Rothenbacher bei einem Pressegespräch.

Beim 1. FREIheitsforum Memmingen steht ab 24. Februar 2026 der § 218 des Deutschen Strafgesetzbuchs (StGB) im Mittelpunkt, der den Schwangerschaftsabbruch regelt und bei den so genannten „Memminger Prozessen“ in den Jahren 1988/1989 für heftige Diskussionen sorgte. „Das Kulturamt lädt dazu ein, sensible Themen wie dieses konstruktiv zu verhandeln. Der Blick zurück und ein Kulturprogramm setzen dafür Impulse. In den Gesprächen soll der Schwangerschaftsabbruch vor allem aus heutigen Perspektiven betrachtet werden. Memmingen wird damit erneut zu einem Ort des Austauschs über zentrale Fragen unserer Zeit“ betont Kulturamtsleiter Sebastian Huber. 

Der Prozess vor dem Landgericht Memmingen, der wegen illegal durchgeführter Schwangerschaftsabbrüche ab Herbst 1988 gegen den Gynäkologen Dr. Horst Theissen geführt wurde, hat die Öffentlichkeit damals bundesweit bewegt. Nach einer Revision vor dem Bundesgerichtshof fand das Verfahren im Januar 1994 seinen Abschluss vor dem Landgericht Augsburg. Die so genannten „Memminger Prozesse“ fanden in einer Phase intensiver gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen über die Zulässigkeit von Schwangerschaftsabbrüchen statt. Auch nach der Neuregelung der Paragrafen 218 und 219 im Jahr 1992 hält die Debatte über das Spannungsfeld zwischen dem Recht der Frauen auf reproduktive Selbstbestimmung und dem Schutz ungeborenen Lebens bis heute unvermindert an.

Ein Kultur- und Veranstaltungsprogramm mit Theater- und Filmvorführungen sowie ein Ausstellungsraum im Stadtmuseum liefern beim FREIheitsforum Memmingen Impulse. Dialogformate laden zur Vertiefung und zum Austausch ein. Zum ersten Mal in Memmingen zu sehen ist das Theaterstück „Der Uteruskomplex – Ein Schauprozess“ des Hystera Kollektivs Berlin. Die freie Theatergruppe befasst sich mit den Zeitzeuginnen-Berichten der in Memmingen angeklagten Frauen und zieht 155 Jahre nach Einführung des § 218 StGB Bilanz über Selbstbestimmungsrechte von Frauen in Deutschland (5. und 6. März, 19.30 Uhr, Landestheater Schwaben, mit Nachgespräch, Tickets über das Landestheater). 

Im Stadtmuseum widmet sich ein Ausstellungsraum dem Thema. In einer Sonderveranstaltung wird der Film „Mutter aus Passion“ von Ingrid Molnar und Anne Andersen in Anwesenheit von Zeitzeuginnen gezeigt (8. März, 11 Uhr, Stadtmuseum Memmingen, freier Eintritt). 

Zur gemeinsamen historischen Spurensuche lädt das Stadtarchiv Memmingen ein. Im Lesesaal wird Einblick in unterschiedliche Quellen, Dokumentationen und Berichte über die Prozesse gewährt (24. Februar, 19 Uhr, Lesesaal Stadtarchiv; Anmeldung telefonisch unter 08331 850 1410 oder per Mail an stadtarchiv@memmingen.de). Einschlägige Literatur zum Thema stellt die Stadtbibliothek Memmingen in einem Themen-Special zusammen. 

In einer abschließenden Podiumsdiskussion wird aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema geblickt. Es diskutieren: Prof. Dr. Liane Wörner (Universität Konstanz), Expertin für Medizinstrafrecht und Mitglied der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin der letzten Bunderegierung; Stephanie Weißfloch, Leiterin der Schwangerenberatungsstelle Donum Vitae in Memmingen; Sandra Holtrup (Universität Augsburg), Historikerin mit dem Forschungsschwerpunkt „Frauenbewegungen in Bayerisch-Schwaben und Westfalen“ sowie eine Position mit medizinischer Perspektive. Die Moderation übernimmt Dana Hoffmann (Ulm) (12. März, 19 Uhr, Antoniersaal, Eintritt frei).  

Veranstaltet wird das FREIheitsforum Memmingen durch das Kulturamt der Stadt Memmingen. Das Programm der ersten Ausgabe entstand in enger Kooperation mit folgenden städtischen und nicht-städtischen Einrichtungen und Initiativen (in alphabetischer Reihenfolge): Frauengeschichtswerkstatt Memmingen e.V., Frauenhaus Memmingen, Frauennetzwerk Memmingen e.V., Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Memmingen, Stadtarchiv Memmingen, Stadtbibliothek Memmingen, Stadtmuseum Memmingen, Landestheater Schwaben. 

Im Frühjahr 1525 bot Memmingen einen Ort und einen sicheren Rahmen für Vertreter der oberschwäbischen Bauernhaufen, die für mehr Freiheit und Gerechtigkeit eintraten und ihre Forderungen in den Zwölf Artikeln bündelten. In Erinnerung an den Dialog vor 500 Jahren möchte die Stadt Memmingen mit dem neuen FREIheitsforum Memmingen den kontinuierlichen Austausch zu gesellschaftlich relevanten Fragestellungen der Gegenwart fördern. Das FREIheitsforum widmet sich jährlich wechselnden Themen zu Freiheitsvorstellungen und Gerechtigkeit und soll eine Plattform für unterschiedliche Perspektiven sein.

Infos zum Programm unter www.stadt-der-freiheitsrechte.de
 

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