Silhouette Parishaus

Parishaus
Ulmer Straße 9
87700 Memmingen
Tel. 08331/3237

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag
14:00 – 17:00 Uhr

Kontakt:
Memminger
Wohnungsbau eG
Ulmer Straße 2
87700 Memmingen
Tel.: 08331/8567-0
Fax: 08331/8567-33
info(at)mewo-mm.de

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Kunst im Parishaus

Das Parishaus
Außenansicht

Das Memminger Parishaus, ein weiträumiges barockes Palais, wurde 1735 durch den aus Wismar zugezogenen Kaufmann Anton Friedrich Paris erbaut und im erlesenen Geschmack seiner Zeit ausgestattet. Örtliche Kreativität und Münchner Hofkunst reichen sich hier im Geiste des Rokoko die Hände. Das von heimischen Kunsthandwerkern aufwendig gestaltetes Treppenhaus erschließt die drei Etagen, wo kostbare Stukkaturen auswärtiger „Gypser“ allein schon einen Besuch lohnend machen.

Das einst marode Gebäude wurde von der Memminger Wohnungsbau eG in den Jahren 1980-83 vorbildlich saniert und bietet seither vielen zeitgenössischen Künstlern ein Forum. Ihnen steht das Mezzanin (Dachgeschoss) für Wechselausstellungen zur Verfügung, während die topografische Kollektion in den Hauptetagen eine dauerhafte Bleibe gefunden hat.

Ansichtssache

Memmingen, Gesamtansicht von Süden. Lithografie von Johann Georg Leeb, 1843
Lithografie Memmingen

Die Sammlung Günther Bayer im Parishaus
Topografische Kunst aus vier Jahrhunderten

Mit der Zeitenwende des Humanismus zu Beginn des 16. Jahrhunderts öffnete sich die Kunst neuen Themen. Bis dahin dominiert von den Sujets der christlichen Heilslehre, war es nun erstmals das weltliche Porträt und vor allem das Landschaftsbild, welches die Aufmerksamkeit der Künstler erweckte. Zunächst wurde das biblische Geschehen einfach in die vertraute Umgebung gestellt. In der Silhouette Jerusalems erkannte man dann die Kirchtürme der Vaterstadt und Jesus sah man vor der Kulisse des heimischen Marktplatzes seinen Jüngern das Abendmahl reichen. Doch bald emanzipierten sich die Stadtansichten aus der Nebenrolle eines Bildhintergrundes zum Mittelpunkt eines neu erwachten topografischen Interesses.

Anfänglich als Holzschnitt in den Werken Schedels und Münsters, später als Kupferstich und Radierung in den Städtebüchern von Braun-Hogenberg bis Merian, Bodenehr und Leopold, schließlich als Stahlstich und Lithographie in der Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts, immer nahmen die Topografen an den Wandlungen teil, denen die künstlerische Entwicklung im Gang der Jahrhunderte unterworfen war.

Die Sammlung

Schloss Hohenschwangau. Aquarell von Moritz Doppelmayr, um 1865
Aquarell Schloss Hohenschwangau

Im Memminger Parishaus wird diese über vierhundertjährige  Tradition der topografischen Kunst am Beispiel des Allgäus, seiner Städte und Landschaften, erlebbar. Vor dem Hintergrund alter Landkarten des schwäbischen Reichskreises erschließt sich ein lebendiges Bild der ehemaligen Reichsstadt Memmingen, der umliegenden Herrschaftsgebiete und der angrenzenden Voralpenregion. Da dieser Landstrich nie ein fest umrissenes politisches Territorium war, sondern stets als Landschaftsbegriff galt, wurde sein Gebiet im Laufe der Jahrhunderte in unterschiedlicher Ausdehnung gesehen. So greift auch die Sammlung über die heute gebräuchlichen Grenzen des Allgäus hinaus und berührt jenseits der Iller die dortigen Städte bis hin zur Tangente Biberach – Ravensburg – Lindau.

Der Sammler

Ottobeuren, die Reichsabtei aus der Vogelschau. Kupferstich von Joseph und Johann Klauber, 1766
Kupferstich Ottobeuren

Am Anfang stand eine Lithographie des französischen Künstlers Isidor L. Deroy. Es war eine besonders schöne Ansicht des Memminger Rathauses, die den jungen Kaufmann Günther Bayer begeisterte. Er griff zu und legte damit den Grundstein für seine schließlich 40-jährige Sammlertätigkeit. Der spätere Heimatpfleger in Memmingen hatte sich von da an der topografischen Kunst verschrieben, immer auf der Suche nach dekorativen Ansichten seiner schwäbischen Heimat.
Auktionshäuser, Kunsthandlungen, Antiquariate und Messen waren Zielorte seiner Leidenschaft und manch seltenes Objekt ließ sich aus privater Hand entlocken. Wenn Geduld und Überredungskunst nötig war, steigerte dies nur die Sammlerlust. Am Ende steht nun die Präsentation von über 170 Blättern, die allesamt einen beeindruckenden Blick auf die Schönheiten von Stadt und Land eröffnen.