Stadt Memmingen:Jüdisches Leben

Jüdisches Leben in Memmingen (1862-1942)

Einen Blick in die jüngere Geschichte unserer Stadt eröffnet der Ausstellungsbereich "Jüdisches Leben in Memmingen".

Beginnend mit der Zuwanderung jüdischer Landbevölkerung in den Jahren nach 1860 entwickelte sich in Memmingen eine aufstrebende jüdische Gemeinde, die um die Jahrhundertwende über 200 Mitglieder zählte und mit der Einweihung der neuen Synagoge 1909 einen nie wieder erreichten Grad der Anerkennung in unserer Stadt erfuhr. Als ökonomisch initiative Neubürger trugen Sie in Handel und Fabrikation, aber auch in akademischen Berufen als Ärzte und Anwälte zur wirtschaftlichen Blüte der Stadt bei. Erfolg im Beruf, Anerkennung im Vereinsleben, Achtung im gesellschaftlichen Umfeld sind Bausteine einer insgesamt hoffnungsvollen Entwicklung, die das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Memmingen kennzeichnen und die den jüdischen Memmingern die Hoffnung gab, den formal erreichten Bürgerrechten auch die volle gesellschaftliche Akzeptanz hinzufügen zu können. 

Zu Beginn der 1920er Jahre zeichneten sich allerdings erste Vorboten einer Entwicklung ab, als antisemitische Ausgrenzungen bereits in die Richtung des nationalsozialistischen Terrors verwiesen. 

Mit historischen Dokumenten und Fotos aus dem Stadtarchiv Memmingen, mit Zeitzeugeninterviews auf Video und bedeutenden Erinnerungsstücken zur jüdischen Kultur in unserer Region kann in der Abteilung ein Bild gezeichnet werden, das die Möglichkeit zu einem friedvollen Zusammenleben genauso dokumentiert wie das leidvolle Ende der Juden in unserer Stadt. 

Inhaltlich und chronologisch geordnete Themenfelder dokumentieren in sieben Stationen das Leben der Juden in Memmingen. Die Zusammenschau der gewerblichen, gesellschaftlichen und politischen Integration vor 1933 mit den Maßnahmen der Entrechtung und Ermordung in den Jahren nach 1933 machen deutlich, dass die Wertschätzung eines jüdischen Deutschtums keine tragfähige gesellschaftliche Basis hatte, als vergebene historische Chance aber nicht vergessen werden sollte. 

Jüdische Geschichte wird zu einem Stück Stadtgeschichte, gerade weil die großen Entwicklungslinien sowohl in den Zeiten wachsender Integration wie in der Phase der verbrecherischen Ausgrenzung und Vernichtung bewusst und ausschließlich mit Memminger Dokumenten illustriert werden.