Stadt Memmingen:Baudenkmäler und Geschichte

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Stadtarchiv Memmingen
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Baudenkmäler und Geschichte der Stadt

Memmingen kann auf eine mehrhundertjährige Geschichte zurückblicken: Auf römischen Spuren entstand im 7./8. Jahrhundert eine alemannische Siedlung, die sich unter der Herrschaft von Welfen und Staufern zu einem bedeutenden Marktort entwickelte. Im 13./14. Jahrhundert wurde aus der Siedlung eine (Reichs-)Stadt inmitten von Oberschwaben. Zahlreiche Baudenkmäler zeugen von der einstigen Bedeutung dieses schwäbischen Gemeinwesens, das 1802 bayerisch wurde, ohne in Gründerzeit und Moderne seine Wurzeln zu vergessen.

Die nachfolgenden Webseiten informieren über einige herausragende Baudenkmäler, die von der Stadt Memmingen in den vergangenen Jahren saniert wurden oder derzeit im Fokus der Denkmalpflege stehen.

Stadtmauer

Jahrhundertelang sorgten sich die Bürgerinnen und Bürger der Reichsstadt Memmingen um ihre Sicherheit – und errichteten, erweiterten und reparierten mit sehr großem Aufwand ihre Stadt-befestigung. Tore, Türme und Mauern sollten die Menschen vor drohenden Gefahren schützen, was freilich nicht immer gelang – man denke nur an die bekannten 30 Jahre im 17. Jahrhundert, als Hunderte Frauen und Männer schanzten und verteidigten und letztlich doch nicht verhindern konnten, dass fremde Regimenter unsere Stadt besetzten. Diese Zeiten sind vorüber - heutzutage suchen nicht mehr feindliche Augen die Stadtbefestigung nach Lücken und Schwachstellen ab, sondern Geschichtsinteressierte und Touristen nach historischen Spuren. Zur "Stadtmauer von Memmingen" ist eine umfangreiche Publikation von Dr. Christian Kayser erschienen, die beim Historischen Verein bezogen werden kann.

Die Memminger Stadtmauer ist mit ihren einst sieben Toren und 26 Türmen das größte Denkmal der Stadt. Zwar gingen unter anderem die Rundtürme an den Eckpunkten in den Napoleonischen Kriegen und die östliche Partie im Zuge der gründerzeitlichen Öffnung der Stadt verloren, doch finden sich verschiedenen Stellen „Points of Interest“, die von der Geschichte der Stadt und ihrer Menschen erzählen (Zusammenstellung: Dr. Christian Kayser, an wenigen Stellen ergänzt durch Christoph Engelhard).

Durch den Einlass gelangten einst Menschen kontrolliert in die (Vor-)Stadt, wenn die Stadttore abends bereits geschlossen waren. Der vielgestaltige Bau wurde 1474/75 errichtet und besteht aus einem Haupttor (mit innerem Zwingerhof) und einem Vortor (mit äußerem Zwingerhof).

Der Lueginsland wurde im Zusammenhang mit der Einbeziehung der Ulmer Vorstadt in die Stadtbefestigung im 15. Jahrhundert errichtet und einst einer der höchsten Türme Memmingens. Bei der erzwungenen Entfestigung Memmingens musste er 1805 vollständig abgetragen werden. Der hölzerne Wehrgang hinaus zum Ulmer Tor bzw. nach Süden bis zum Einlass wurde wegen Baufälligkeit 1902 abgebrochen.

Das Ulmer Tor, bis ins 19. Jahrhundert "äußeres Niedergassentor" genannt, wurde 1375/85 errrichtet, um 1470 aufgestockt und 1499 um ein Vortor erweitert. Neben dem Kempter Tor hat es seine mittelalterliche Gestalt bewahrt, wenngleich die einstige feldseitige Bemalung (Ziffernblatt, Heiligenfiguren) nur noch fragmentarisch erhalten ist.

Während der Belagerung Memmingens im Dreißigjährigen Krieg wurde das mittelalterliche Westertor 1647 zerstört und anschließend neu errichtet; die heutige Gestalt des Tores reicht ins Jahr 1660 zurück.

Wie das Westertor wurde auch das Lindauer Tor, zu reichsstädtischer Zeit "Krugstor" genannt, 1647 schwer beschädigt. Beim Wiederaufbau wurde im Obergeschoss des Tores ein repräsentativer Raum für den bayerischen Stadtkommandanten eingerichtet.

Die Hohe Wacht in der südwestlichen Ecke der Stadtmauer war eine Artilleriestellung, auf die mittels einer nicht mehr erhaltenen Rampe Kanonen gezogen wurden. Im Inneren ist der Wehrgang gut erhalten, im Äußeren der tiefe Graben, der an dieser Stelle der Stadt einen burgartigen Charakter verleiht.

Das 1389 errichtete Kempter Tor besitzt noch seine spätmittelalterliche Gestalt. Ein Vortor verdeckt um 1450 gefertigte Fassadenmalereien. Mit Unterstützung des Generalkonservatoriums gelang es 1891, den Abbruch des Tores zu verhindern.

Dem Großen Pechturm war ein Rondell vorgesetzt. Bis zum Abbruch 1805 besaß das Ensemble seine mittelalterliche Gestalt; trotz Aufschüttung des Kempter Grabens und der modernen Parkgestaltung ist das Rondell im Gelände noch ablesbar.

Vollständig aus dem Stadtbild verschwunden ist die Wasserkunst, die zwar zu den Sieben Wahrzeichens Memmingens zählt, aber dem Bahnbau 1862 weichen musste. Am Wasserturm kreuzten sich einst der gewässerte Kempter Graben und der Stadtbach. Daneben wurde Trinkwasser aus dem Benninger Ried per Deichelleitung in die Stadt geführt und im Wasserturm mittels eine hydraulischen Anlage gehoben (vgl. Wasserkunst-Modell in Augsburg). Der ins Jahr 1380 dendrochronologisch datierte Pulverturm wurde 1862 nur teilweise abgetragen und erlebte als Belvedere eine neue Nutzung.

Das mittelalterliche Kalchtor ist nur auf historischen Stichen zu sehen. Nach seiner Zerstörung 1632 wurde es zunächst notdürftig, 1706 dann in barocker Manier neuerrichtet. Mit der Öffnung der Altstadt zum Bahnhof fand die Geschichte des Tores ein jähes Ende.

Der Wehrgang zwischen Hafendeckelturm und Hexenturm entlang der Kohlschanze dürfte der älteste original erhaltene überdachte Wehrgang Deutschlands sein, wie dendrochronologische Untersuchungen des Dachstuhls ergeben haben.

Der Hexenturm war einer von mehreren Gefängnistürmen. Ob hier allerdings der Hexerei beschuldigte Personen inhaftiert werden, darf bezweifelt werden. In seinem Inneren lassen sich drei Bauphasen ablesen - vom 13. über das 14. bis ins späte 15. Jahrhundert.

Denkmäler

Bismarckturm

Auf Initiative des Memminger Verschönerungsvereins entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Westen der Stadt Erholungswege. Oben am Hühnerberg errichtete der Verein im Herbst 1904 nach historisierenden Plänen von Stadtbaumeister Peter Lang einen 18 Meter hohen, zinnenbekrönten Aussichtsturm aus Gestein bzw. Beton mit Anbau und zwei Plattformen. Zum 10. Todestag von Reichskanzler Otto von Bismarck erhielt das Bauwerk 1908 den Namen „Bismarckturm“. Am Bismarckturm nahm eine Geschichte ihren Anfang, die in den Siedlungsbau am Hühnerberg nach 1945 mündete.

Weitere Informationen zum Turm und zum umliegenden Stadtteil finden Sie auf den Stelen des Historischen Vereins.

Zeitreise in Memmingen

1128: In der Bestätigung einer Schenkungsurkunde für das Kloster Ochsenhausen wird Memmingen zum ersten Mal als "mammingin" urkundlich erwähnt.

Von Mammo über Mammingin zu Memmingen

Die Entwicklung des Namens lässt ahnen, wie sich die Stadt über die Jahrhunderte gewandelt hat: Von einer kleinen Siedlung in spätrömischer Zeit reift Memmingen zur Freien Reichsstadt, zur urbanen Perle im schwäbisch-bayerischen Voralpenland heran.

Marktrecht und Wappen legen den Grundstein dafür, dass die Memminger Bürger erfolgreich und einflussreich das späte Mittelalter und die beginnende Neuzeit mitgestalten können: Memminger Händler schicken schon 1506 die ersten deutschen Handelsschiffe nach Übersee, Diplomaten der Bürgerschaft sind auf allen Reichstagen vertreten, ihre Künstler und Wissenschaftler bewegen sich im Umkreis so bedeutender Persönlichkeiten wie Dürer oder Gutenberg.

Reformation

Aus diesen Erfolgen schöpft das Memminger Bürgertum Selbstbewusstsein, was im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts weitreichende Konsequenzen hat: Die Stadt wird neben Zürich, Genf und Wittenberg zu einem Zentrum der Reformation - Memmingen wird evangelisch.

Die Atmosphäre in Memmingen ist geprägt von Bürgerstolz und dam Drang nach Selbstbestimmung. Dies veranlasst 1525 die aufständischen Bauern dazu, die Stadt Memmingen als ihren Versammlungsort zu wählen: Hier wird mit den 12 Bauernartikeln die erste Menschenrechtserklärung Europas verfasst.

Blüte der mittelalterlichen Handelsstadt

Die architektonischen Meisterwerke dieser zeit bezeugen noch heute die wirtschaftliche und kulturelle Blüte der mittelalterlichen Handelsstadt. Ihr Aufschwung wird durch den 30-jährigen Krieg beendet, in dessen Verlauf die Bürger drei Erstürmungen überstehen müssen. Nach diesem Einschnitt verliert Memmingen in Politik und Ökonomie mehr und mehr an Einfluss. Jedoch erst Anfang des 19. Jahrhunderts ist die Uhr der Freien Reichsstadt entgültig abgelaufen - Memmingen wird bayerisch.

Bürgertugenden

Fünfzig Jahre später nehmen die Memminger, sich an ihre alten Bürgertugenden einnernd, ihr Glück wieder selbst in die Hand: Sie initiieren und finanzieren den Bau der Eisenbahn und legen so die Gleise zum neuen wirtschaftlichen Aufschwung. Auf diese Weise schaffen sich die Memminger damals wie heute aus eigener Kraft neue Perspektiven, um die Lebensqualität in ihrer Stadt zu sichern und zu verbessern - um die zukunft gemeinsam zu gestalten.

Chronik

  • um 300: römische Militärsiedlung
  • um 500: alemannische Dorfsiedlung
  • um 800: fränkische Königshofsiedlung
  • 1128: erste urkundliche Nennung
  • Mitte 12. Jh.: Stadtwerdung unter Herzog Welf Vl.
  • 1268: Beginn der Reichsstadtzeit
  • Mitte 14. Jh.: Verfassungsänderung - Herrschaft der Zünfte
  • 14. - 16. Jh. : Blütezeit der Reichsstadt.
    Handelsfahrten nach Indien und Venezuela. Wirken der Maler- und Bildhauerfamilie Strigel
  • 1525: Abfassung der 12 Bauernartikel
    Bauernkrieg - Reformation: Memmingen wird evangelisch
  • 1630: Im 30jährigen Krieg mehrmonatiger Aufenthalt Wallensteins
  • 1632: Aufenthalt des Schwedenkönigs Gustav Adolf
  • 18. + 19. Jh. : Niedergang der Reichsstadt
  • 1803: Memmingen wird bayerisch; Grenz- und Landstadtsituation
  • 1862: Eröffnung der ersten Bahnlinie
  • Ende 19. Jh. bis Anfang 20. Jh.:  Sprengung des Mauergürtels. Heute
    sind noch rund 1,5 km Stadtmauer mit 10 Toren und Türmen erhalten
  • ab 1972: Gebietsreform, Eingemeindung der Stadtrandgemeinden
    Amendingen, Buxach und Hart, Eisenburg, Steinheim,
    Dickenreishausen, Volkratshofen und Ferthofen.
    Memmingen bleibt kreisfrei.
  • 1993: Memmingen wird zum Oberzentrum aufgestuft