Stadt Memmingen:Zehntstadel Steinheim

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Sanierung des Steinheimer Zehntstadels

Offizieller Spatenstich

„Was lange währt, wird endlich gut“

Den offiziellen Spatenstich zum Start der Sanierungsmaßnahmen am Zehntstadel in Steinheim eröffnete Oberbürgermeister Manfred Schilder mit den Worten: „Was lange währt, wird endlich gut“, und sprach damit vielen Anwesenden aus der Seele. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem späten Mittelalter soll bis zum Frühjahr 2020 in ein Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden.

„Damit schaffen wir etwas, was der Ortsmitte des prosperierenden Stadtteils Steinheim gerecht wird“, äußerte sich das Stadtoberhaupt. Er bedankte sich bei allen Beteiligten für ihr Engagement, im Besonderen aber bei Staatsminister a. D. Josef Miller, der durch seinen Einsatz einen großen Teil der Fördergelder akquirieren konnte. 

„Der Schlüssel zu allem ist Geduld. Nicht durch Aufschlagen, sondern durch Ausbrüten wird aus dem Ei ein Küken“, zitierte Thomas Barth, Vorsitzender des Vereins Dorfgemeinschaft Steinheim, ein chinesisches Sprichwort und spielte damit auf die lange Zeit an, die das Gebäude ungenutzt herumstand und verwahrloste. Nach über einer Generation des Wartens, freute er sich nun über die begonnen Baumaßnahmen. „Das neue Dorfgemeinschaftshaus wird ein Schmuckstück werden, das die Menschen zusammenkommen lässt und damit die Gemeinschaft fördert.“

Auch Baumeister Wolfgang Zettler und Zimmerer Hermann Rehklau bliesen ins gleiche Horn, bedankten sich für die Auftragserteilung und waren sich einig, dass sich der steinige Weg bis zum Sanierungsbeginn des Gebäudes gelohnt hat.

„Der Zehntstadel gibt Steinheim mit seiner alten Geschichte Identität. Ein Neubau könnte dies nicht. Daher ist es wichtig, das Denkmal für den Ort zu erhalten“, legte Architekt Sebastian Dellinger dar.

Die Nutzfläche des sanierten Gebäudes wird bei rund 750 Quadratmetern liegen. Geplant sind eine Küche, ein Mehrzweckraum, ein Proberaum für die Musikkapelle sowie zwei Sitzungszimmer. Zudem soll der Bau barrierefrei gestaltet werden und erhält daher auch einen Aufzug. Zukünftig wird der Stadel dann als Dorfgemeinschafts- und Vereinshaus für viele Veranstaltungen wie Vereinsfeste, Geburtstagsfeiern oder auch Hochzeiten genutzt werden können. Bis zum Frühjahr 2020 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Die Baumaßnahmen haben bereits mit der Unterkellerung begonnen. Anschließend werden die Arbeiten oben weitergehen. „Im Rahmen des Denkmalschutzes soll so viel wie möglich von dem ursprünglichen Stadel erhalten werden“, so Schilder. Dafür werden das Mauerwerk und die Holzbalken genau unter die Lupe genommen und nötigenfalls ausgetauscht. Mittlerweile ist das ganze Gebäude von außen mit Stützbalken und einem Baugerüst eingefasst, sodass auch die Ortsdurchfahrt eingeschränkt ist.

Sanierungsplan

Terminplan
Baubeginn:         September 2018
Fertigstellung:    Frühjahr 2020

Gebäudekonstruktion Bestand
Das bestehende Gebäude ist zweigeschossig und wurde als Mischkonstruktion mit Wänden in Ziegelbauweise und Geschossdecken sowie Dachtragwerk in Holzbauweise errichtet. Das Gebäude ist in einen ehem. Wirtschaftsteil und einen ehemaligen Wohnteil gegliedert. Der Wohnteil ist mit einem Kellerraum teilunterkellert. Die Wände und Dachtragwerk weisen zum Teil erhebliche Substanzschäden auf.

Geplante Baumaßnahmen
Zur Vorbereitung der Maßnahme wird das Gebäude mit Provisorien statisch gesichert. Tragende Wände werden Unterfangen. Im Zuge der Ertüchtigung des Dachwerks werden Ortgang und Traufe angepasst. Der ehem. Wirtschaftsteil wird von Einbauten befreit und in Stahlbetonbauweise teilunterkellert. Im ehemaligen Wohnteil wird der Aufbau der Holzbalkendecken erneuert.
Ein Aufzug wird eingebaut. Das gesamte Gebäude erhält im Erdgeschoss eine neue Bodenplatte in Stahlbetonbauweise. Im ehemaligen Wirtschaftsteil wird eine neue Geschossebene in Holzbauweise mit Holz-Beton-Verbunddecke eingebaut. Die Außenwände erhalten teilweise neue Fenster- und Türöffnungen. Treppen werden in Ortbeton, Betonfertigteilen und als Stahlkonstruktion erstellt.

Die Reihenfolge der durchzuführenden Arbeiten wird im Wesentlichen durch die Statik des Gebäudes bestimmt. Folgender Ablauf ist vorgesehen:

  1. Erstellen der Bauzustandssicherungen
  2. Unterfangung der Außenwände ehem. Wohnteil
  3. Reparatur und statische Ertüchtigung des Dachwerks bis Dezember 2018
  4. Entkernen des ehem. Wirtschaftsteils
  5. Statische Eingriffe ehem. Wohnteil
  6. Unterfangung der Außenwände ehem. Wirtschaftsteil
  7. Baugrube neuer Keller inkl. Unterfangung und Verbau
  8. Einbau des neuen Kellers
  9. Einbau der neuen Bodenplatte EG
  10. Einbau der neuen Geschossebene im ehem. Wirtschaftsteil
  11. Entfernen der Bauzustandssicherungen
  12. Beginn des Innenausbaus
  13. Wiederherstellung der Fassade
  14. Einbau der Außentreppe
  15. Anlegen der Freianlagen
  • Architektur/ Bauleitung
    Beer Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner GmbH
  • Tragwerksplanung
    Barthel & Maus Beratende Ingenieure
  • Brandschutzplanung
    Prof. Bernhard Karl
  • HLS
    Ingenieurgemeinschaft Hofer & Hölzl GmbH
  • ELT
    Kettner & Baur Ing.-Büro
  • Bodengutachten/ Altlasten
    GeoBüro Ulm GmbH
  • Bauphysik/ Bauakustik
    Müller BBM
  • Emissions-/ Schallschutz
    Tecum GmbH
  • SiGeKo
    Secum GmbH
  • Holzschutz
    Ing.-Büro für Holzschutz
  • Baumeister
    Zettler Bau GmbH
  • Zimmer-/ Dachdeckererarbeiten
    Rehklau GmbH
  • Gerüstbau
    Gerüstbau Uhle GmbH
  • Schreinerei und Glaserei
    Johann Bachl

Stadtratsbeschluss und Bürgerentscheid über die Sanierung

Seit Anfang der 1990er Jahre gab es Diskussionen über die Sanierung des Zehntstadels. Das Landesamt für Denkmalschutz Bayern sprach sich gegen einen Abriss aus. 

Im April 2016 beschloss der Stadtrat mit 31:5 Stimmen die Sanierung.

Am 18. September 2016 kam es zu einem Bürgerentscheid über das weitere Verfahren mit dem Zehntstadel.
Wahlbeteiligung: 26 Prozent (8278 von 31796 Stimmberechtigten gingen zur Wahl)
5802 Stimmen gegen die Sanierung
2456 Stimmen für die Sanierung

Die laut Quorum (d.h. eine bestimmte Zahl der Wählerinnen und Wähler stimmt im Sinne der Initiatoren ab) erforderliche 20 Prozent Hürde wurde nicht genommen. Daher wurde mit dem gescheiterten Bürgerentscheid der Beschluss des Stadtrats rechtskräftig. 

Überblick - Der Weg bis zur Sanierung

2012Erwerb Grundstück Fl. 48, Gemarkung Steinheim
2012-2014Erstellung von Gutachten zur Statik, zu notwendigen Instandsetzungsmaßnahmen in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege, verschiedene Befunduntersuchungen, erste Vorgespräche mit möglichen Zuschussgebern
2014Realisierungswettbewerb. Büro Beer, Bembé, Dellinger Architekten und Stadtplaner aus Greifenberg erhielten den 1. Preis
2014 EndeBeschluss des Stadtrates zur stufenweise Vergabe der Planerleistungen nach VOF Verfahren
2015Vertragsabschlüsse mit den Planern. Überarbeitung des Entwurfes nach Nutzungskonzept in Absprache mit dem Förderverein
2015Bürgerbegehren gegen Sanierung
2016Bürgerentscheid scheitert, Sanierung kann starten
2016 EndeEinreichung der Förderunterlagen bei den Fördergeldgebern
2017 MitteErhalt Baugenehmigung
2017 MitteBewilligungsbescheid zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn von den Förderstellen. Ohne diese Zusage konnte die LPH 5 und damit die Ausführungsplanung nicht begonnen werden.
2018 MitteHohe Ausschreibungsergebnisse; Klärung mit Regierung und Förderstellen; Zusage der Erhöhung der Zuschüsse
2018 SeptemberBaustart
2018 OktoberOffizieller Spatenstich mit allen Fördergeldgebern

Ursprung

Der Zehntstadel diente zur Lagerung des Zehnten, einer steuerlichen Abgabe in Form von Naturalien, die im Mittelalter üblich war. Der kleine Gewölbekeller im Osten ist dem spätmittelalterlichen Baubestand zuzuordnen.
1448 wurde das Dorf Steinheim mit Gerichtsrechten, Kirchenvogtei und einigen Höfen von den Rittern von Eisenburg an das Memminger Unterhospital verkauft.
1750 wurde er in der Breite erweitert, etwas erhöht sowie mit einer neuen Tenne und einem neuen Dachstuhl ausgestattet. Der Anbau wurde 1751 vollendet, wie die Sandsteintafel mit dem Doppelkreuz (Wappen des Unterhospitals) in der Ostfassade dokumentiert.
Mit der Auflösung des Spitals im Jahr 1803, verlor der Stadel zunächst an Bedeutung.
Mitte des 19. Jahrhunderts fand mit der „Bauernbefreiung“ das feudale Gesellschaftssystem ein Ende. Das scheinbar nutzlose Gebäude wurde zu einem Bauernhof umgebaut und wechselte häufig den Besitzer. Es entstand der heute so charakteristische und das äußere Erscheinungsbild prägende Mittertennhof.

Freianlagen

Bildergalerie Baufortschritte Stand 01. Februar 2019