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„Die Stadt ist fast zerstört“

Erstellt von Pressestelle |

Sondersitzung des Stadtrats: Bürgermeister Atroshenko berichtet in Videoschalte über aktuelle Lage in Tschernihiw – Oberbürgermeister sichert Solidarität und Unterstützung zu

In einer Sondersitzung des Memminger Stadtrats berichtete Bürgermeister Vladyslav Atroshenko aus Tschernihiw in einer Videoschalte über die aktuelle Lage in der Partnerstadt im Nordosten der Ukraine. In der Schilderung des Stadtoberhaupts wurde das Ausmaß des Leids und der Zerstörungen in Tschernihiw deutlich: Über 300 Bürgerinnen und Bürger seien bei den Angriffen durch das russische Militär ums Leben gekommen, darunter auch mehrere Kinder. Viele weitere Menschen seien gestorben, weil sie in Krankheit, etwa bei einem Herzinfarkt, keine medizinische Versorgung erhalten konnten. „Die Stadt ist fast zerstört“, erklärte Bürgermeister Atroshenko in ukrainischer Sprache. Sein Bericht wurde in der Memminger Stadthalle von Anna Kolomiiets aus Tschernihiw übersetzt. 

Fast 40 Tage stand die Stadt unter Beschuss. Fast täglich fielen Bomben, Minenwerfer kamen zum Einsatz und schwere Artillerie beschädigte viele zivile Einrichtungen und die kritische Infrastruktur, beschrieb Atroshenko. Es sei auf Menschen geschossen worden, die in Schlangen für Lebensmittel anstanden. In einem Video zeigte er zerstörte Häuser, Fahrzeuge und Straßen. Die Hauptbrücke zur Versorgung der Stadt sei im März zerbombt worden. Bombardierungen, erklärte der Bürgermeister, hätten tagsüber und aus niedriger Höhe stattgefunden. Die Piloten hätten ihre Ziele sehen können und sie hätten Spielplätze und andere Stadtanlagen getroffen. Die Wasserversorgung und das Kraftwerk seien weitgehend zerstört worden. Kliniken seien beschädigt worden, eine Kinderzahnklinik zerstört. 101 Hochhäuser seien zerstört worden, viele weitere Hochhäuser seien beschädigt. Zwei Schulen seien komplett zerstört, 25 Schulen und 37 Kindergärten weitgehend beschädigt. Das Alte Kino am Roten Platz sei zerstört, ebenso das Stadion und das historische Gebäude der Jugendbibliothek. Es fehlten Müllfahrzeuge, Fahrzeuge zur Straßenreinigung oder Kräne. Die Liste der Zerstörungen ist lang. 

Bürgermeister Atroshenko ließ die Kamera seines Laptops durch den Raum schwenken, in dem er sich befand. Die Fenster waren durch USB-Platten ersetzt. Aktuell könne das Gebäude noch nicht wiederaufgebaut werden, denn möglicherweise greife die russische Armee die Stadt erneut an. Der Bürgermeister sprach über die Fassungslosigkeit der Menschen über den Krieg und über die engen Verflechtungen mit Russland, die früher selbstverständlich gewesen seien. Seine eigene Ehefrau habe einen russischen Pass, ihr Vater sei Russe, die Mutter Ukrainerin. Es gebe viele gemischte Familien mit russischen, belarussischen und ukrainischen Nationalitäten. „Niemand hat Putin das Recht gegeben, ein anderes Land zu überfallen und seine Politik zu diktieren“, betonte Atroshenko.

Oberbürgermeister Manfred Schilder gab seiner Betroffenheit über das große Leid und die Zerstörungen in Tschernihiw Ausdruck. Er sicherte Bürgermeister Atroshenko und den Bürgerinnen und Bürgern in Tschernihiw die Unterstützung Memmingens zu. „Wir möchten Tschernihiw auf dem Weg des Wiederaufbaus begleiten und tun, was wir können“, betonte Oberbürgermeister Schilder. Er verlas eine Resolution des Memminger Stadtrats, in der die Stadträtinnen und Stadträte sich mit der Partnerstadt ausdrücklich solidarisch erklären und Hilfe und Unterstützung zusichern.

Bürgermeister Atroshenko dankte für die 13 Lastwagen aus Memmingen mit Hilfsgütern, die in Tschernihiw angekommen sind. Auf dem Spendenkonto der Stadt zur Hilfe für Tschernihiw sind zudem bislang über 150.000 Euro eingegangen. Memmingen ist mit 45.000 Einwohnern deutlich kleiner als die Partnerstadt Tschernihiw, die in Friedenszeiten rund 300.000 Einwohner zählt. „Was für uns im Moment am wichtigsten ist, ist Informationshilfe“, erklärte Atroshenko. Es gebe in Deutschland und darüber hinaus Hilfs- und Aufbauprogramme, die für Tschernihiw wichtig wären. „Wir haben hier in unserer aktuellen Lage keine Möglichkeit, davon zu erfahren“, sagte der Bürgermeister.  

Zu Nationalhymne der Ukraine erhoben sich die Stadträtinnen und Stadträte sowie die anwesenden Bürgerinnen und Bürger in der Memminger Stadthalle gemeinsam mit Bürgermeister Vladyslav Atroshenko in Tschernihiw.

Bürgermeister Vladyslav Atroshenko aus Tschernihiw (auf der Leinwand) berichtete dem Memminger Stadtrat von der Lage in der Partnerstadt. Am oberen Tisch mit der ukrainischen Flagge: Übersetzer Viktor Weiler und Übersetzerin Anna Kolomiiets; auf dem Podium (v.l.) Bürgermeister Dr. Hans-Martin Steiger, Bürgermeisterin Margareta Böckh, Oberbürgermeister Manfred Schilder und Alexandra Hartge, Beauftragte für Städtepartnerschaften, die die Videoschalte organisierte. (Foto: Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen)