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Rathausinformation (Archiv)

Montag 23. November 2009

Einblicke in die große Memminger Musikgeschichte

Kategorie: Rathausinformationen

Von: Pressestelle

Protokolle des Collegium Musicum präsentiert

Bei der Präsentation der neuen Publikation: v.l.n.r. Nadine Sach, Prof. Dr. Johannes Hoyer, Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger und Stadtrarchivar Christoph Engelhard. Fotos: Pressestelle der Stadt Memmingen.

Das Collegium musicum war eine Musikinstitution in der freien Reichsstadt Memmingen. Die städtische Oberschicht musizierte in diesem geschlossenen Kreis. Wer dazugehören wollt, ersuchte die Musikliebhaber um Aufnahme. 1655 von Christoph Schorer gegründet, hatte das Collegium über 160 Jahre Bestand. Seine Protokolle spiegeln die Geschichte der Reichsstadt wider; mit dem Ende der reichsstädtischen Zeit ging auch der Niedergang des Collegium musicum einher. Drei erhaltene Protokollbücher aus dem Stadtarchiv wurden ausgewertet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Prof. Dr. Johannes Hoyer, Musikwissenschaftlerin Nadine Sach M.A. und Stadtarchivar Christoph Engelhard übergaben Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger nun die ersten frischgedruckten Broschüren der zweibändigen Edition.

„Ich freue mich, dass Herr Engelhard sich die Erschließung der Protokolle zur Aufgabe gemacht hat“, so Dr. Holzinger. Er warb für den Kauf der, in der Quellenreihe der Materialien zur Memminger Stadtgeschichte erschienen Druckwerke mit einem Eingeständnis. Er habe schon vorab einen Blick in die Broschüren geworfen und festgestellt, „das Reichsstadtgeschehne war gar nicht so viel anders wie das Leben, insbesondere das Vereinsleben heute“. Dem pflichtete Prof. Dr. Hoyer, der die Bearbeitung und Einführung der von Sach übertragenen Protokolle übernommen hatte, bei. Mit Blick auf das heutige Collegium musicum, einem seit 1994 bestehenden festen Ensemble aus Schülern und Lehrern der Städtischen Sing- und Musikschule sowie Gästen unter Leitung von Otfried Richter M.A., stellte er fest, dass der damalige Zusammenschluss in etwa die gleiche Besetzung aufwies. An die Adresse von Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger gerichtet, feixte er: „Da ein Teil des Collegiums mit der städtischen Oberschicht besetzt war, müssten Sie eigentlich hier sitzen.“

Wie der Augsburger Professor ausführte, war der Kaufmann, Wirt und Musiker Christoph Rheineck (1748-1797) „wichtigster Repräsentant“ des Ensembles. Rheineck fand nach seiner Rückkehr aus Lyon nach Memmingen überraschend schnell Aufnahme in das Collegium, was Hoyer mit dessen großartigen Fähigkeiten erklärt. Auch auswärtige Virtuosen hätten immer wieder als Gäste im Memminger Collegium mitgewirkt. Der Musikwissenschaftler nannte Musiker des Berliner und Münchener sowie des Hofes von Thurn und Taxis aus Regensburg.

Dass diese Tradition fortgesetzt wird, zeigte das anschließende Konzert. Ehemalige Musikschüler, die jetzt in Nürnberg und Regensburg Musik studieren, wirkten im Collegium musicum mit und begeisterten gemeinsam mit Kirchenmusikdirektor Hans-Eberhard Roß am Flügel mit dem Klavierkonzert Es-Dur von Christoph Rheineck. Die Memminger Musikvermächtnis lebt weiter.

 

Publikation:

Das Collegium musicum der Reichsstadt Memmingen. Edition der Protokolle 1775-1821, übertragen von Nadine Sach, bearbeitet und eingeführt von Johannes Hoyer (Materialien zur Memminger Stadtgeschichte, Reihe A Quellen), Memmingen 2009
erhältlich in den Museen der Stadt Memmingen sowie beim Stadtarchiv im Grimmelhaus zum Preis von 8 Euro