MEWO Kunsthalle

Bahnhofstraße 1
87700 Memmingen

www.mewo-kunsthalle.de

Tel. 08331/850-771
Fax. 08331/850-772
mewo.kunsthalle@
memmingen.de

Öffnungszeiten

Montag (außer Feiertage): geschlossen
Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag und Feiertage: 11-17 Uhr
Donnerstag: 13-19 Uhr

Eintrittspreise:

  • 3,00 Euro
    (ermäßigt 2,00 Euro)

Daten & Fakten

  • Gastkurator
    Dr. Fritz Franz Vogel, Zürich
  • Gesamtkonzept und Leitung
    Prof. Dr. Kiermeier-Debre
  • Assistenz
    Csilla Spöttle
  • Grafische Gestaltung
    Rainer Kuntz
  • Technische Einrichtung
    Roland Mayer und Team
  • Organisatorische Betreuung
    Dr. Hans-Wolfgang Bayer

Seiteninhalt:

Wolfgang Niesner: Kopfstücke

Wolfgang Niesner: Selbstportrait
Wolfgang Niesner: Selbstportrait


Ich, Visagen, Grimassen, Grotesken, Fratzen, Schnuten

Wolfgang Niesner (1925–1994) war ein „besessener Graphiker, der in Radierung, Mezzotinto und Kupferstich, selbst im Scherenschnitt, gleichermaßen Gültiges geschaffen hat und für den zeichnen so wichtig wie atmen war, ein Mittel, Welt und Natur zu erleben und zu gestalten.“ Das schrieb die Zeitschrift Graphische Kunst 1995. Die Charakterisierung ist trefflich und bedarf dennoch einer Zuspitzung, die die neue Ausstellung in der MEWO Kunsthalle zu leisten versucht. Sie zeigt zum ersten Mal weit über 1000 Zeichnungen mit Porträts und Selbstporträts des Künstlers.

Im Gegensatz zum langsamen, sich herantastenden Arbeiten mit den Werkzeugen des Kupferstechers erlaubte der skizzierende Zeichenstift eine geradezu atemberaubende Schnelligkeit, gewissermaßen den Schnappschuss, wie ihn der fotografische Apparat ermöglichte. Solche Schnelligkeit schien Wolfgang Niesner besonders dort von Vorteil, wo es galt, möglichst schnell und unauffällig Menschen zu erfassen, ihnen einen zufälligen Augenblick abzutrotzen und vor allem ihrer Mimik zu Leibe zu rücken. Die Objekte sollten am besten nichts wissen vom sie beobachtenden Auge und bannenden Stift des unscheinbar freundlichen Nachbarn und Mitmenschen.

Auf diese Weise entstanden tausende und abertausende vom Künstler selbst Kopfstücke genannte Blätter und Blättchen. Zu entdecken und zu bestaunen ist eine Obsession, die, wenn der Künstler nicht von so menschenfreundlichem und verbindlichem Charakter gewesen wäre, ans Pathologische eines lange verkannten Künstlers wie Franz Xaver Messerschmidt (1736–1783) rührte. Wolfgang Niesner war sich solcher Verwandtschaft bewusst, nicht nur, weil er das Gesicht als die interessanteste Landschaft erachtete, sondern weil er vor sich selber nicht halt machte und auch sein Gesicht unermüdlich zum Gegenstand seiner Beobachtung machte. Morgens vor dem Spiegel und oft dreimal täglich vermaß er sich selbst und spielte alle Möglichkeiten seiner Mimik durch. Sie war der Probierstein für Mimikry jeglicher Art. Er verwandelte sein „Ich“ in Grimassen, Visagen, Fratzen und Schnuten zu Charakterköpfen, die die Extreme menschlicher Mimik auszukosten versuchten und gleichsam ein mimetisches Grundmusterbuch entwarfen.

  • Eröffnung Sonntag, 14. Juni um 11.00 Uhr - Eintritt frei
  • Dauer der Ausstellung: So. 14.06. bis So. 20.09. 2009 
  • MEWO Kunsthalle Memmingen, Bahnhofstraße 1