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Die städtische Sebastian-Lotzer-Realschule stellt sich unter http://www.slr-mm.de vor.

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Tag der offenen Tür am 24. Oktober 2015

Großes Interesse der Memminger Bürger: Hunderte Besucher nutzten die Gelegenheit und besichtigten das  neue Gebäude der Städtischen Realschule beim „Tag der offenen Tür“

Tag der offenen Tür
Tag der offenen Tür
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Chronik

Städtische Sebastian-Lotzer-Realschule Memmingen (Foto: Klaus Mauz)
  • 22.10.2007
    Antrag an die Regierung von Schwaben auf Genehmigung des Bauprogramms für die Städtische Realschule Memmingen mit Sportanlagen.
  • 19.11.2007
    Der Stadtrat beschließt die erforderlichen Schritte zum Bau der Städtischen Realschule, orientiert am Wettbewerbsergebnis des Neubaus der Staatlichen Realschule einzuleiten und mit der Regierung von Schwaben das Raumprogramm und die Förderung zu klären.
  • 21.05.2008
    Schulaufsichtliche Genehmigung des Bauprogramms durch die Regierung von Schwaben.
  • 21.07.2008
    Der Stadtrat beschließt die Einleitung eines Realisierungswettbewerbes zum Neubau der Städtischen Realschule.
  • 15.10.2008
    Tag der Auslobung des Architektenwettbewerbes.
  • 16.02.2009
    Antrag an die Regierung von Schwaben auf Erweiterung der schulaufsichtlichen Genehmigung des Bauprogramms um die Räume für die Ganztagesbetreuung.
  • 20.02.2009
    Preisgerichtssitzung in den Räumen des Vöhlingymnasiums
    1. Preis  Arbeitsgemeinschaft
    Herle + Herrle Architekten, Neuburg Donau
    hahne + mauz architektur, München
    grabner + huber Landschaftsarchitekten, Freising
    2. Preis   Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin
    2. Preis   löhle neubauer architekten, Augsburg
  • 31.03.2009    Beschluss des Bauausschusses Realschulen:
    Vergabe des Planungsauftrages an die Arbeitsgemeinschaft
    Herle + Herrle Architekten, Neuburg / Donau
    hahne + mauz architektur, München
  • 20.07.2009
    Ergänzung der schulaufsichtlichen Genehmigung des Bauprogramms vom 21.05.2008 durch die Regierung von Schwaben um die Räume für die Ganztagsschule.
  • 28.09.2009
    Antrag auf Bewilligung von Zuwendungen nach Art. 10 FAG für den Neubau der Städtischen Realschule Memmingen.
  • 03.08.2010
    Zustimmung zum vorzeitigen Baubeginn durch die Regierung von Schwaben.
  • 05.11.2010
    Baugenehmigung
  • 05.05.2011
    Spatenstich
  • 22.11.2011
    Grundsteinlegung
  • 13.07.2012
    Richtfest
  • 29.07.2015
    Eröffnung
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Städtebauliches Konzept und Baukörper

(Foto: Klaus Mauz)
(Foto: Klaus Mauz)

Die städtische Realschule ist Teil der städtebaulichen Gesamtkonzeption mit staatlicher Realschule, Sporthallen und Freiflächen entsprechend der ausgelobten Architektenwettbewerbe.

Das Schulgebäude, ein im Grundriss annähernd quadratischer, 3-geschossiger Baukörper mit Innenhof, ist zu etwa einem Drittel der Grundfläche unterkellert. Die Haupterschließung des Gebäudes erfolgt von Nordwesten über den gemeinsamen Vorplatz der beiden Realschulen. Von der stützenfreien Aula werden Musiksaal, Mehrzweckraum, Schulcafe mit zusätzlichen Aufenthaltsräumen erschlossen. Entlang der Ostseite sind Lehrküche und Zeichensäle angeordnet. Die zentrale Erschließung der Obergeschosse mit den Klassen, Fachräumen und der Verwaltung erfolgt über eine großzügige Treppe in der Pausenhalle.

Im Untergeschoss sind neben den benötigten Technikflächen, Abstellräume und zwei Werkräume samt Nebenräumen untergebracht. Die Belichtung der Werkräume erfolgt über einen entlang der Ostseite verlaufenden Lichtgraben.

Über den Innenhof gelangt man zu den Pausenhofflächen im Süden des Grundstücks.

Baukonstruktion   
Das tragende System des Schulgebäudes besteht aus Stahlbeton. Die Fassaden werden in Holz-Pfosten-Riegel-Konstruktion errichtet, die geschlossenen Fassadenflächen erhalten eine vorgehängte, bedruckte Glasfassade. Die gesamte Gebäudehülle wird hoch gedämmt.

Gebäudetechnik und Energiekonzept
Ziel ist es, für das hochgedämmte Gebäude unter Nutzung moderner Technologien und des Grundwassers, das energetische Niveau eines KfW-Effizienzhauses 55 zu erreichen; das bedeutet die Einhaltung des Primärenergiebedarfs von 55 % eines Neubaus gemäß ENEV für Beheizung,
Lüftung und Trinkwassererwärmung.

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Raumprogramm

  • 16 Klassenzimmer für den allgemeinen Unterricht mit den entsprechenden Ergänzungsräumen
  • Fachunterrichtsräume für Physik, Chemie, Biologie, und Informatik, sowie Werkräume und Lehrküche
  • Verwaltung / Schulbibliothek
  • Aula
  • Ganztagesbetreuung
(Foto: Klaus Mauz)
(Foto: Klaus Mauz)
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Architekt / Ingenieure

Architekten

Arbeitsgemeinschaft

Herle + Herrle Architekten, Neuburg / Donau

hahne + mauz architektur, München

TragwerksplanerMayr Ludescher Partner, München
BaugrundDr. Lindinger, Weingarten
EnergiekonzeptFraunhofer Institut Bauphysik IBP, Stuttgart
Techn. Ausrüstung HLSGüttinger Ingenieure, Kempten
Techn. Ausrüstung ElektroKettner & Baur, Memmingen
Akustik und BauphysikIngenieure Süd, München
Freianlagengrabner + huber Landschaftsarch., Freising
BaufirmaGebr. Filgis GmbH & Co. KG, Altusried
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Kosten

Schulgebäude mit Einrichtung, Außenanlagen, Hausmeistergebäude und Nebenkosten ca. 20,5 Millionen Euro

FAG-Zuwendung des Freistaats Bayern rund 4,1 Millionen Euro

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Gebäudedaten Schulgebäude

Nettogrundrissflächen
Hauptnutzflächen3.710,16 m²
Nebennutzflächen411,27 m²
Verkehrsflächen1.520,34 m²
Funktionsflächen221,66 m²
Gesamtfläche5.863,43 m²
Bruttogeschossfläche7.717,95 m²
Bruttorauminhalt28.793,70 m³
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Architektonisches Konzept

(Foto: Klaus Mauz)
(Foto: Klaus Mauz)

Es ist nichts wie es scheint -
Ein architektonisches Gestaltungskonzept

Auf dem ehemaligen Schlachthofgelände entsteht durch die neue Staatliche Realschule, die Sporthallen und die neue Städtische Realschule ein neuer Bildungscampus als eigenständiger Ort. Dieser ist geprägt durch kompakte Baumassen und differenzierte Außenräume.

Diesem Leitgedanken folgend ist die Städtische Sebastian-Lotzer-Realschule analog zur Staatlichen Realschule ebenfalls als kompakter Baukörper mit gleicher Typologie, kurzen Wegen und guter Orientierbarkeit konzipiert. Die Offenheit von Eingangsbereich und Pausenhalle setzt sich über einen großen Luftraum in die Obergeschosse fort. Die großzügige Haupttreppe ist als Ort der Begegnung und Kommunikation das funktionale und symbolische Herzstück der Schule. Die Unterrichtsräume in den Obergeschossen verlaufen ringförmig um den Innenhof, der sich im Erdgeschoss unter dem aufgeständerten Klassentrakt hindurch zu den offenen Pausenflächen erweitert.

Die Einzigartigkeit, dass zwei Realschulen an einem Standort errichtet werden, bietet jedoch die Chance für einen Wettbewerb der beiden Schulen. Dieser findet in der Verschiedenheit der Gestaltungsansätze seine Entsprechung. Ausgehend von dem Gedanken, dass Lernen durch Neugier und durch die Änderung der Betrachtungsperspektive beflügelt wird, entsteht das Leitmotiv „Es ist nichts wie es scheint“. Beim Menschen hat Neugier einen forschungs- oder verstandesmäßigen Anteil und gleichzeitig einen emotionalen bzw. motivierenden. Der erstere in seiner reinsten Form wird Wissbegierde genannt. Durch Verfremdung und Abstraktion räumlicher und materieller Motive wird Neugier und Begierde nach Wissen des Einzelnen geweckt.

Unterschieden nach Bewegungszonen und Zonen der Konzentration und Ruhe, werden die Materialien unterschiedlich gefärbt. In den Unterrichtsräumen sind diese mit warmem Weiß durchgefärbt, die Unterschiedlichkeit der Materialien Beton, Holz, Kunststoff offenbaren sich erst auf den zweiten Blick.

Die Reflexion des kräftigen Purpur der Fußböden in den Bewegungsräumen von Wänden und Decken lassen diese selbst in Purpur erscheinen und sind erst bei genauerer Betrachtung als Silber lasierte Betonoberflächen wahrnehmbar.

Die horizontal gegliederten Fassaden bilden nicht nur einen Kontrast zur vertikalen Gliederung der Fassaden der Staatlichen Realschule, sondern lösen durch die unregelmäßigen Fensterbänder die eindeutige Wahrnehmung einzelner Geschosse auf.

Individuelle Motive, weiß auf Gläser gedruckt, sind das Ergebnis eines Kunstprojektes. Aus unterschiedlicher Distanz offenbaren sie sich, transportieren das Thema Lernen nach außen und prägen somit das äußere Erscheinungsbild, das Gesicht der Schule.

Christoph Mauz, Architekt

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Realisierung

Das Schulgebäude besteht aus einem Stahlbetonmassivbau mit tragenden Flurwänden, Flachdecken und tragenden Stützen vor den Fassaden. Den äußeren Raumabschluss bildet eine vorgehängte
Holz-Pfosten-Riegel-Fassade, innen dienen raumbildende Trockenbauausfachungen der Unterteilung der erforderlichen Räume.

Eine Besonderheit ist die stützenfreie Ausbildung der Pausenhalle im Erdgeschoss. Dazu wurde die darüberliegende Wand im 1. und 2. Obergeschoss als wandartiger Träger erstellt, der 25 Meter überspannt. Auch die freie Ecke über dem Hauptzugang stellte eine statische Herausforderung
dar. Dazu mussten die oberen Geschosse über weit auskragende Wandscheiben und eine massive Attika abgelastet werden.

Die Lüftungsleitungen für die Raumlüftung sind überwiegend in die Flachdecken eingelegt. So konnte durch den möglichen Verzicht auf abgehängte Decken die thermische Speicherfähigkeit der Stahlbetondecken erhalten und der Raumkomfort verbessert werden.

Die Herstellung der anspruchsvollen Holz-Pfosten-Riegel-Fassade stellte Ingenieure und Handwerker immer wieder vor Herausforderungen, die durch gemeinsame Anstrengungen bewältigt werden konnten.

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Künstlerische Gestaltung der Fassade

von Peter Baron

Die Fassadengestaltung an der Sebastian Lotzer Realschule ist definiert durch das  Zusammenwirken von Kunst und Architektur.

Die Fassade wird sowohl als Hülle des Gebäudes als auch als Bildträger erlebt. Bezogen auf die Prozesse, die in der Schule stattfinden, soll sie ein Bild von Transparenz, Vernetzung und Entwicklung darstellen.

Der Begriff der Transparenz ist hier im doppelten Sinne zu verstehen. Zum einen bezogen auf die Materialität des Glases, die dem Gebäude die Schwere früherer Lehranstalten nimmt; zum anderen bezogen auf die Ablesbarkeit von Prozessen, die im Inneren des Gebäudes stattfinden.

Die Gebäudehülle spiegelt verpixelte Spuren von Tafelanschriften wieder, die zusammen mit den Schülern an einem Projekttag in verschiedensten Fachgebieten erarbeitet wurden.
Gemeinsames Thema des Projekttages war die Auseinandersetzung mit dem Namensgeber der Schule. Sebastian Lotzer  formulierte 1525 die so genannten Memminger Artikel und kurze Zeit später die Bundesordnung und die Zwölf Artikel. Diese gelten als die erste Niederschrift von Menschen- und Freiheitsrechten in Europa.

Die Ergebnisse der Auseinandersetzung mit Sebastian Lotzer und der Zeit in der er lebte, finden sich in der Fassade wieder als grafisch abstrahierte Formen.  In ihrer offenen Anordnung thematisieren sie die Fragmenthaftigkeit von  Wissen, das stets neu vernetzt und erweitert werden muss, also den Prozess des Lernens.

Je nach Blickwinkel  bzw. Lichteinstrahlung lassen sich unterschiedlich klare Zeichen in der Rhythmik der Strukturen erkennen; das Tafelbild entwickelt sich mit dem Standpunkt des Betrachters.