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Öffnungszeiten

Montag (außer Feiertage): geschlossen
Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag und Feiertage: 11-17 Uhr
Donnerstag: 13-19 Uhr

Eintrittspreise:

  • 3,00 Euro
    (ermäßigt 2,00 Euro)

Seiteninhalt:

Sammlungsbestand: Josef Madlener

Adam und Eva im Paradies
Josef Madlener, Paradies im Frieden, 1945/1946

Josef Madlener, der Maler der schwäbischen Weihnacht, erweist sich im Blick auf sein gesamtes Oeuvre als aufmerksamer und immer distanzierter Begleiter eines schwierigen Jahrhunderts. Sein Weg von der Darstellung vertrauter Landschaften im Stil des Neoimpressionismus und insbesondere der großen Vorbilder Giovanni Segantini und Vincent van Gogh zu einer sehr eigenen Bild- und Formensprache stellt ihn quer zu allen Moden der Kunst und macht ihn bedeutend auch jenseits seiner regionalen Volkstümlichkeit.
Seine konsequente Verweigerung der Moderne ist gleichzeitig ein Wechsel auf die gegenwärtige Postmoderne und eine zukünftige Neoromantik. Die Madlenersche Überhöhung des Impressionismus zu einem ureigenen Symbolismus wurde 2006 erstmals in seiner ganzen Breite gezeigt.

Aktuell sind keine Werke Josef Madleners ausgestellt. Im Depot der MEWO Kunsthalle befinden sich ca. 800 Gemälde und gut 2000 grafische Arbeiten. (Literatur zu Josef Madlener: siehe unter Publikationen)

 

 

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Gandalfs Vater Tolkien inspirierte sich bei Josef Madlener

Der Berggeist aus Madlerners Kunstkartenserie
Der Berggeist

Im Münchner Kunstverlag F.A. Ackermann erschien im Frühjahr 1935 eine Kunstkartenserie nach Bildern von Josef Madlener unter dem Titel "Sagen und Märchen". Die Serie enthielt neben dem "Berggeist", noch die Bilder "Der Frühling", "Die Bergfee", "Rübezahl", "Waldmärchen" und "Hubertushirsch".

Die Bilder dieser Serie - Josef Madleners Kunstkarten waren weltweit verbreitet - inspirierten den englischen Schriftsteller, Mythen- und Sprachforscher John Ronald Reuel Tolkien (1892-1973), der ab 1937 seinen mittlerweile zum weltweiten Kultbuch der Fantasy-Literatur aufgestiegenen Roman "Der Herr der Ringe" zu schreiben begann. Insbesondere das Bild "Der Berggeist" diente ihm als Vorlage für die Gestaltung des Zauberers Gandalf. Tolkien schildert ihn als einen alten Mann mit einem hohen spitzen Hut und einem langen Mantel. "Er hatte einen langen weißen Bart und buschige Augenbrauen, die unter seiner Hutkrempe hervorragten."

Seitenverkehrte Vorstudie des Berggeistes
Vorstudie zum "Berggeist"

Nach dem Abschluss seiner Arbeit an der Romantrilogie im Jahre 1949 hat Tolkien die Anregungen durch Madleners Werk bestätigt, indem er die Karte mit dem "Berggeist" in einen gesonderten Umschlag steckte und eigenhändig darauf schrieb: "Origin of Gandalf".

Das Original zur Karte, zu dem die Kunsthalle eine seitenverkehrte, aber dem Endzustand schon sehr angenäherte Vorstudie besitzt, ging nach dem Zweiten Weltkrieg von Amendingen nach Amerika. Dort ist das Gemälde im Jahr 2005 wieder aufgetaucht. Am 12. Juli 2005 wurde es bei Sotheby's in London für 84.000 britische Pfund versteigert.

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Vom romantischen Naturalisten zum mythopoetischen Magier

Madlener könnte für Gandalf Porträt gesessen haben
Josef Madlener

(von Joseph Kiermeier-Debre)

Im Jahre 1997 ging der Nachlass des Amendinger Malers Josef Madlener (1881-1967) in die Nachlassverwaltung der Stadt Memmingen über. In einem Artikel der Zeitschrift "Schönere Heimat" (1998, H. 2) schrieb Dr. Hans-Wolfgang Bayer, der Leiter des Kulturamtes, damals: "Die Zeit für eine Madlener-Renaissance über die Grenzen der Stadt Memmingen hinaus scheint jedenfalls reif und günstig wie nie zuvor zu sein."

Zweierlei ist dazu zu sagen. Zum einen hat sich der in die Zukunft weisende Wunsch für eine Madlener-Renaissance durch das mäzenatische Angebot zur Einrichtung einer Kunsthalle "Alte Post" seitens der Memminger Wohnungsbau-Genossenschaft (MeWo) an die Stadt Memmingen erfüllt. Madleners Werke haben hier ihr Zuhause gefunden und die Präsentation dieses Werks im Jahr 2006 erfreute sich eines großen Publikumzuspruchs. Zum anderen gab es für diese Madlener-Renaissance schon weit in der Vergangenheit zurückliegende Ansätze, die bis heute allerdings echolos blieben.

In der amerikanischen Zeitschrift "Mythlore", die von der Mythopoeic Society herausgegeben wird, findet sich, verfasst von Manfred Zimmermann, ein Artikel aus dem Jahre 1983 mit dem Titel "The Origin of Gandalf and Josef Madlener". "In his old age", so der heute an der University of Cicinnati, Ohio, lehrende Professor für deutsche Literatur, Josef Madlener "seems to have had quite an impressive face". Zimmermann bezog sich auf ein Fotoporträt des Malers aus dem 1981 erschienen Ausstellungskatalog zu Madleners 100. Geburtstag. Das ausdrucksvolle Gesicht des schon betagten Künstlers schien ihm vergleichbar einem poetisch-fiktiven Porträt einer literarischen Figur, die damals gerade begann, ihren weltliterarischen Siegeszug anzutreten. Zimmermann verglich Madleners Porträt mit dem des Zauberers und Magiers Gandalf aus der Romantrilogie des englischen Schriftstellers und Professors für germanische Philologie an der University of Oxford, John R.R. Tolkien (1892-1973). Der Titel des Werks, mittlerweile allen bekannt, lautet: "The Lord of the Rings".

Die Einschätzung Zimmermanns, "he could himself have posed for Gandalf" (Madlener könnte für Gandalf Porträt gesessen haben), wäre nichts weiter als ein hübscher Nebensatz in einem Essay über den Maler, wenn es da nicht einen tatsächlich nachweisbaren Zusammenhang zwischen seiner Physiognomie und Tolkiens Romanfigur gäbe. Es freut jeden Literaturwissenschaftler - und ein solcher ist Zimmermann -, wenn er bestimmte Augenscheinlichkeiten auch belegen kann. Und tatsächlich, es gibt ein belegbares Bindeglied zwischen den Gesichtszügen Madleners und dem Aussehen der Romanfigur. Das Bindeglied ist ein Gemälde des Malers, das vermutlich in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts als Vorlage für eine Kunstpostkartenserie des Ackermann Verlags in München entstand. Das Bild trägt den Titel "Der Berggeist" und zeigt einen Mann mit langem, weißen Bart und breitkrempigem Hut auf einem Stein vor einer romantischen Bergkulisse sitzend. Dieses Bild benutzte Tolkien nachweislich als Vorlage zur Gestaltung seines Zauberers Gandalf.

Vergleichbare Bilder, auf denen sich ein Mann mit weißem Bart und grünem Hut findet, gibt es im Werk Madleners eine ganze Reihe; und immer dürfen wir vermuten, dass sich Madlener in diesen Bildern indirekt selbst porträtiert hat. Die Ähnlichkeiten mit seinen Selbstporträts sind verblüffend. Und selbstverständlich verhält es sich auch mit dem Mann im Bild "Der Berggeist" so. Madleners Physiognomie spinnt sich also tatsächlich als Kryptogramm durch die fiktional-visuelle Porträtgalerie, die es mittlerweile von Gandalf gibt. Sie reicht vom Roman über den Zeichentrickfilm, Buchillustrationen bis zum großen Filmepos. Das ist ein heimlicher Erfolg für Madlener und sein Werk; und der Literatur- und Kunstwissenschaftler von heute freut sich, wenn er solche vor zwanzig Jahren entdeckten Spuren zum richtigen Zeitpunkt heute wiederentdecken und ein wenig ins Bewusstsein rücken konnte.

Aus dem Nebensatz wurde eine schöne Fußnote, aus der ein durchaus ausbaubarer Aufsatz gewonnen werden kann. Die Sicht von außen, aus dem Blickwinkel Tolkiens und durch die Verfilmung von jenseits unseres Erdteils unter dem Etikett "Fantasy" und "Mythic Studies" eröffnet aber auch im Nahbereich neue Möglichkeiten der Verortung. Das Bild des Künstlers zeigt scheinbar, wie andere Bilder auch, einen Bauern oder einen Schäfer. Es heißt aber bezeichnenderweise nicht "Hirt im Gebirge" oder auch "Der gute Hirt", sondern "Der Berggeist". In solchen Bildern tritt der Maler natürlich weit heraus aus seiner scheinbar so gefestigten ländlich-bäuerlichen, auch naiv-religiösen Welt. Er verwandelt seinen obsessiv vertretenen Naturalismus, der in Wirklichkeit voller Romantizismen ist, entschieden in eine mythopoetische Welt, in der er der ‚gute Hirte', der Magier, der Zauberer ist. Er sitzt als Berggeist mit einem roten Zaubermantel in einer Felskulisse, die weder ein hiesiges Alpenpanorama darstellt noch - wie englisch betitelt - die realen ‚rocky mountains' sind. Es ist ein Kosmos eigener, magischer Art, "Fantasy" eben. Das hat Tolkien, schon schwanger mit seiner fantastischen Mittelerde-Welt, instinktiv erkannt, und diesen Madlener-Kunstkosmos, der sich obsessiv aller Avantgarde des 20. Jahrhunderts antimodernistisch verweigerte, sollten wir neu entdecken. Der Künstler hat ihn eingestellt zwischen zwei entscheidenden Bildern. Das eine ist von 1946 und zeigt das Paradies, eine noch von der Apfelgeschichte und von Adam und Evas Fall freie Geschichte; das andere entstand 1953 und heißt "Nach dem Atomkrieg". Diese Eckgeschichten schreiben die magische Geschichte der Menschheit, der aus den Tiefen des Kosmos wie auf dem Selbstbildnis von 1946 eine Erlösung im Symbol des Kreuzes aufleuchtet, die dem Künstler als visionäre Schau ins Gesicht geschrieben ist.

Weitere Facetten des komplexen Werks von Josef Madlener sind dargestellt in: Joseph Kiermeier-Debre/Fritz Franz Vogel: Josef Madlener. Mein Kosmos (siehe unter Publikationen)