Silhouette Stadtmuseum (Hermansbau)

Stadtmuseum im Hermansbau
Zangmeisterstr. 8 
(Eingang Hermansgasse)
87700 Memmingen

Tel./Fax: 08331/850-134

Öffnungszeiten:

Bis 12.04.2014 geschlossen.

Ab 13.04.2014:
Dienstag bis Sonntag
und Feiertage von

10:00 - 12:00 Uhr und
14:00 - 16:00 Uhr

Schließtage:
24.12., 25.12., 26.12,
31.12., 01.01.

Eintritt:

  • Erwachsene 3,30 €
  • Ermäßigung 2,20 € (Rentner, Studenten, Schwerbehinderte)
  • Jugendliche (13-18 Jahre) 2,00 €
  • Familienkarte 5,50 € (Kinder bis 18 Jahre frei)

Seiteninhalt:

Hermansbau
Hermansbau (Zangmeisterstraße)

Das Stadtmuseum Memmingen weist den Weg in die Geschichte unserer Stadt und zeigt ein Gemeinwesens, das über Jahrhunderte hinweg eine bedeutende Rolle in Gewerbe und Handel aber auch in Politik und Religion spielte. Kunst und Kultur, Alltagssorgen und Obrigkeit werden mit einer Vielzahl von Ausstellungsstücken wieder lebendig. Sehenswert auch die Barockgalerie mit Gemälden von Johann Heiss  (1640-1704) und die edle Feinkeramik der Memminger Fayencemanufaktur „Künersberg“. Angeschlossen das Heimatmuseum Freudenthal/Altvater mit einer Spezialsammlung zur sudetendeutschen Stadt Freudenthal.

Das Stadtmuseum Memmingen befindet sich in einem spätbarocken Stadtpalais, das 1766 im Auftrag des Patriziers Benedikt von Herman erbaut wurde. Der sogenannte Hermansbau beeindruckt durch seine gutgegliederte Rokokofassade und erinnert vor allem mit seinem schönen Innenhof und dem barocken Treppenhaus mit allegorischer Deckenmalerei an einen südländischen Palazzo.

Die städtischen Sammlungen, deren Grundlagen 1885 gelegt wurden, sind seit 1936 in diesem Prachtbau aufbewahrt und spiegeln Geschichte und Kultur der evangelischen Reichsstadt wieder.

Innenansicht eines Raumens im Stadtmuseum
Stadtmuseum

Großzügige Zimmerfluchten in zum Teil originaler Ausstattung vermitteln einen Eindruck von der patrizischen Wohnkultur und führen den Besucher von der Vor- und Frühgeschichte zur Rechts-, Kirchen- und Zunftgeschichte Memmingens.

Die Sammlung "Memminger Bildnisse aus drei Jahrhunderten" gibt Zeugnis vom bürgerlichen Selbstbewußtsein in der ehemaligen Freien Reichsstadt, ebenso wie die Wappentafel des Memminger Patriziats.

Höhepunkte des Rundgangs sind die Bilder des Memminger Barockmalers Johann Heiß und die Stücke der Fayencemanufaktur Künersberg, die im 18. Jahrhundert von dem Memminger Patrizier Jakob v. Küner betrieben wurde. Diese besonders hochwertigen Fayencen zählen heute zu den begehrtesten Beispielen der europäischen Feinkeramik und werden im Museum auch in ihrem schwierigen Produktionsgang erläutert.

Wechselausstellungen im Themenbereich der Stadt- und Kunstgeschichte ergänzen die Dauerausstellung.

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Neustrukturierung der Memminger Museumslandschaft

In den vergangenen fünf Jahren hat die Memminger Museumslandschaft weitreichende Neuerungen erfahren. Nach der Ausweitung der Fayence-Abteilung im Stadtmuseum im Hermansbau 1995, war es vorallem die Neueröffnung des Strigel-Museums und des Antoniter-Museums im sanierten und zum kommunalen Kulturzentrum gewandelten Antonierhaus, die im Jahre 1996 einen tiefen Einschnitt markierten.

Erstmalig präsentierte sich damit in Memmingen eine historische Dokumentation zum Leben und zur geschichtlichen Bedeutung des Hospitalordens der Antoniter, die hier über 300 Jahre hinweg wirkten und der Stadt mit dem Antonierhaus eine lange vernachlässigte aber nun in alter Pracht wiedererstandene spätmittelalterliche Hospitalanlage hinterließen. Mit dem ebenfalls im Antonierhaus eröffneten Strigel-Museum ist eine Sammlung alter Kunst neu entstanden, die bis dahin im Stadtmuseum untergebrachte Tafelbilder und Skulpturen der Memminger Künstlerfamilie Strigel mit bedeutenden Neuanschaffungen der Kunststiftung der Sparkasse Memmingen-Mindelheim zusammenführte.

Hermansbau und Antonierhaus, ergänzt um die Max-Unold-Galerie im Parishaus halten seither ein deutlich ausgeweitetes Museumsangebot bereit, das gerade dem traditionsreichen Stadtmuseum vielfältige neue Möglichkeiten und Zielsetzungen ermöglichte.

Das Stadtmuseum sollte sich zukünftig seinen Besuchern deutlicher als bisher mit klaren inhaltlichen Themenstellungen präsentieren und damit den Weg weitergehen, der bereits mit der Neuordnung der "Künersberger Fayencen" 1995 beschritten worden war.

Es wurde nun zum einen der Ausbau einer Abteilung zur Geschichte der Reichsstadt von den Anfängen im 11. Jahrhundert bis zum Ende der Reichsstadt 1803 in Angriff genommen und zum anderen eine Dokumentation jüdischen Lebens in unserer Stadt von frühen Jahren der Emanzipation um 1860 bis zum tödlichen Ende in der NS-Zeit vorbereitet.

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Leben in der Reichsstadt Memmingen

Mit dem Schaubereich "Leben in der Reichsstadt Memmingen" ist seit Mai 1999 eine Abteilung zugänglich, die durch Anfassen, Anhören und Mitmachen eine erlebnishafte Begegnung mit der Geschichte ermöglicht. Die Arbeit an diesem Konzept wurde tatkräftig vom "Haus der Bayerischen Geschichte" in Augsburg unterstützt, das ein Jahr zuvor in Memmingen und Kempten die Bayerische Landesausstellung "Geld und Glaube. Leben in evangelischen Reichsstädten" durchgeführt hatte.

Daß damals Memmingen als Veranstaltungsort gewählt worden war, geschah nicht ohne Bedacht. Memmingen und seine Reichsstadtgeschichte sind bei weitem nicht nur heimatgeschichtlich ein bedeutendes historisches Phänomen. Reichsstädtisches Leben war über viele Jahrhunderte hinweg die Heimstädte für weitreichende Entwicklungen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte und so kann die Darstellung der Memminger Begebenheiten auch als Beispiel für viele andere Städte und Regionen verstanden werden.

Diese Chance wurde im Stadtmuseums genutzt. Anschaulich, konkret und lebendig sind in der südlichen Zimmerflucht des prächtigen Rokokobaus die Besonderheiten der reichsstädtischen Jahrhunderte dargestellt und zusätzlich der Versuch unternommen, den persönlichen Lebenszyklus eines Reichsstädters oder einer Reichsstädterin von der Geburt bis zum Tod zu visualisieren. Behandelt sind Bereiche wie Schule und Beruf, aber auch die vielen wirtschaftlichen und sozialen Aspekte und die kulturellen und künstlerischen Leistungen in Musik und Theater, die das Leben der Stadtbewohner charakterisierten.

Ein mehr chronologisch geordneter Blick erläutert zudem die ereignisgeschichtlichen Schwerpunkte Stadtentstehung und Stadtrechtsentwicklung, Reformation und Bauernkrieg, Dreissigjähriger Krieg sowie die Aufhebung der Reichsfreiheit im Jahre 1802/03. Von entscheidender Bedeutung für das Verstehen der Vergangenheit ist die Thematik des Religiösen bzw. Konfessionellen. Zwischen evangelischer Glaubenslehre und der Minderheitenrolle der Katholiken bewegte sich über Jahrhunderte hinweg das Leben in der Stadt. Die bestimmende Rolle der geistlichen und weltlichen Obrigkeit schließt ab mit den Themen Gerichtsbarkeit, Almosen- und Spitalwesen.

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Jüdisches Leben in Memmingen (1862-1942)

Eine zweite Neuerung im Stadtmuseum ist der im Mai 2000 eröffnete Ausstellungsbereich "Jüdisches Leben in Memmingen (1862-1942)".

Beginnend mit der Zuwanderung jüdischer Landbevölkerung in den Jahren nach 1860 entwickelte sich in Memmingen eine aufstrebende jüdische Gemeinde, die um die Jahrhundertwende über 200 Mitglieder zählte und mit der Einweihung der neuen Synagoge 1909 einen nie wieder erreichten Grad der Anerkennung in unserer Stadt erfuhr. Als ökonomisch initiative Neubürger trugen Sie in Handel und Fabrikation, aber auch in akademischen Berufen als Ärzte und Anwälte zur wirtschaftlichen Blüte der Stadt bei. Erfolg im Beruf, Anerkennung im Vereinsleben, Achtung im gesellschaftlichen Umfeld sind Bausteine einer insgesamt hoffnungsvollen Entwicklung, die das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Memmingen kennzeichnen und die den jüdischen Memmingern die Hoffnung gaben, den formal erreichten Bürgerrechten auch die volle gesellschaftliche Akzeptanz hinzufügen zu können.

Zu Beginn der 1920er Jahre zeichneten sich allerdings erste Vorboten einer Entwicklung ab, in der Ausgrenzung und Antisemitismus zu einer bisher ungekannten Radikalität führen sollten.

Mit historischen Dokumenten und Fotos aus dem Stadtarchiv Memmingen, mit Zeitzeugeninterviews auf Video und bedeutenden Erinnerungsstücken zur jüdischen Kultur in unserer Region kann in der neuen Abteilung ein Bild gezeichnet werden, das die Möglichkeit zu einem friedvollen Zusammenleben genauso dokumentiert wie das leidvolle Ende der Juden in unserer Stadt.

Inhaltlich und chronologisch geordnete Themenfelder dokumentieren in sieben Stationen das Leben der Juden in Memmingen. Die Zusammenschau der gewerblichen, gesellschaftlichen und politischen Integration vor 1933 mit den Maßnahmen der Entrechtung und Ermordung in den Jahren nach 1933 machen deutlich, daß die Wertschätzung eines jüdischen Deutschtums keine tragfähige gesellschaftliche Basis hatte, als vergebene historische Chance aber nicht vergessen werden sollte.

Jüdische Geschichte wird zu einem Stück Stadtgeschichte, gerade weil die großen Entwicklungslinien sowohl in den Zeiten wachsender Integration wie in der Phase der verbrecherischen Ausgrenzung und Vernichtung bewusst und ausschließlich mit Memminger Dokumenten illustriert werden.