Silhouette Stadtmuseum (Hermansbau)

Stadtmuseum im Hermansbau
Zangmeisterstr. 8 
(Eingang Hermansgasse)
87700 Memmingen

Tel./Fax: 08331/850-134

Öffnungszeiten:

Geöffnet von
Mai bis Oktober

Dienstag bis Samstag:

  • 10 bis 12 Uhr und
  • 14 bis 16 Uhr

Sonn- und Feiertage:

  • 10 bis 16 Uhr

Eintritt:

  • Erwachsene 3,30 €
  • Ermäßigung 2,20 € (Rentner, Studenten, Schwerbehinderte)
  • Jugendliche (13-18 Jahre) 2,00 €
  • Familienkarte 5,50 € (Kinder bis 18 Jahre frei)
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Ankommen in der neuen Heimat – zwölf Zeitberichte (16.07.2017 bis 29.10.2017)

Plakat der Ausstellung
Ankommen in der neuen Heimat – zwölf Zeitberichte (16.07.2017 bis 29.10.2017)

Nachkriegszeit in Memmingen: Die Schrecken des Krieges wirkten nach. Viele Soldaten blieben vermisst oder in Kriegsgefangenschaft. Der Alltag in der von Amerikanern besetzten Stadt war geprägt von Mangel an Nahrungsmitteln und an Arbeitsstellen.

1946 begann der große Zustrom der heimatvertriebenen Menschen aus den deutschen Ostgebieten. Allein aus dem Sudetenland wurden etwa 3 Millionen Menschen ausgewiesen, die zu einem großen Teil nach Bayern transportiert wurden. In Memmingen kamen innerhalb kurzer Zeit 6.543 Menschen an und wurden einquartiert – unter schwierigsten Bedingungen. Die Stadt (Einwohnerzahl 1939: 16.346) vermehrte ihre Bevölkerung schlagartig um 40 Prozent. Die Ankunft der Sudetendeutschen in der neuen Heimat liegt 70 Jahre zurück, zeigt aber Wirkung ins Heute.

Die Ausstellung im Heimatmuseum Freudenthal / Stadtmuseum Memmingen stellt zwölf Zeitzeugen/innen der Betroffenen- und der Bewusstseins-Generation vor, im Alter zwischen 19 und 94 Jahren. Ihre Geschichten aus erster oder zweiter Hand beleuchten die „Willkommenskultur 1946“, diese schwankte zwischen Diskriminierung und nachhaltigen Überlebens- und Aufbauhilfen. Ein Aspekt ist die Unterbringung in Zwischenlagern, wie der „Burg“ oder der Barackensiedlung für 2.000 Menschen auf dem „Hühnerberg“. Die neuere Stadtgeschichte, die bauliche Entwicklung und die Stärkung durch Arbeitskräfte und Betriebe hängen eng mit den heimatvertriebenen Familien und Persönlichkeiten zusammen. Unterschiedliche Lebenswege stehen für die Unmöglichkeit oder Möglichkeiten von Freiheit.

Die Ausstellung lädt ausdrücklich dazu ein, eigene Erinnerungen oder Erfahrungen mitzuteilen – sei es aus Sicht der Ankömmlinge oder aus Sicht der Aufnehmenden. In der Ausstellung gibt es dazu eine Kommentar-Wand. An drei Terminen lädt die Kuratorin Ursula Winkler alle Interessierten zu einem Erinnerungscafé.

„Ankommen in der neuen Heimat“ ist eines der zwölf Teilprojekte von „Zeitmaschine Freiheit“, dem zweijährigen Projekt zur Initiierung neuer Partnerschaften für das Stadtmuseum Memmingen, gefördert durch den Fonds „Stadtgefährten“ der Kulturstiftung des Bundes.

Zeitmaschine und historischer Rundgang

Am 28.07.2017 landet die „Zeitmaschine“ am Hühnerberg. Der Stadtteil hat eine besondere Geschichte, die nicht nur von Flucht und Vertreibung gekennzeichnet ist. Mit dem Rundgang „Erinnerungsort Hühnerberg“ erinnert der Historische Verein an die Geschichte des Hühnerbergs. Der Rundgang beginnt am Aussichts-/ Bismarckturm von 1904/08. Mit dem Bau einer SA-Schule 1933 schließt sich ein düsteres Kapitel an. In den Baracken „des Stalag“ waren ab 1940 mehr als 2000 Kriegsgefangene untergebracht. Gleichzeitig war hier die Befehlsstelle für mehr als 20.000 Zwangsarbeiter. Mit der Unterbringung von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen begann ab 1946 das prägendste Kapitel der Stadtteilgeschichte. Die „Zeitmaschine“ beschäftigt sich mit dem Thema Flucht und zwar mit der von heute. Die Installation ist von den Künstlern Alexandra Vogt und Jörg Hartmann. Mit minderjährigen Geflüchteten haben sie sich mit dem Thema neue Heimat auseinandergesetzt und spiegeln dieses im wahrsten Sinne des Wortes.

Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm, siehe Flyer (pdf-Datei).

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Faszination Künstlerbrief – ausgewählte Exponate aus einer privaten Schriftensammlung (06.08.2017 bis 29.10.2017)

Wolfgang Knop zur Ausstellung:

Wir sprechen nachfolgend der Einfachheit halber nur vom Brief. Aber alles, was über ihn gesagt wird, gilt auch für die Karte.

„Briefe gehören zu den wichtigsten Denkmälern, die der Mensch hinterlassen kann.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Bis ins 20. Jahrhundert galt der Brief als das sicherste und auch persönlichste Kommunikationsmittel zwischen entfernt lebenden Menschen. Er avancierte zu einem unverzichtbaren Universalgegenstand des täglichen Lebens. Ganz deutlich spiegelte das die Kultur vieler Länder. Die bildende Kunst sah in ihm ein äußerst wichtiges Thema, indem sie alle möglichen Szenerien von Postübermittlung, Empfang, Lesen, Verstecken usw. variantenreich ausmalte. In der Musik wurde er melodisch zum Klingen gebracht. Kinder- wie Volkslieder, Oper und Operette besangen und würdigten ihn wie seine Überbringer. Literatur, Theater und Film wiesen ihm tragende Rollen zu, die für fesselnden Zündstoff sorgten. Von Schriftstellern, Schauspielern, Museumsleuten, Politikern sind Briefe in Buchform erschienen. Der Brief war allgegenwärtig.

Während anfangs nur mit ihm künstlerisch gearbeitet wurde, entdeckten Künstler bald auch im Brief selbst ein schöpferisches Betätigungsfeld. Sie bereicherten ihre verbalen Mitteilungen durch eingeflochtene Illustrationen. Der illustrierte Brief war geboren und erfreute sich zunehmender Beliebtheit. Gleichsam doppelt, mit Hilfe der Wort- und der Bildsprache konnte man sich nun äußern. Das führte zu freudigen Reaktionen auch bei den Empfängern. Es ließ die Idee keimen, diese kleinen großen Kunstwerke in Ausstellungen zu präsentieren. Dadurch wurde die vorher vereinzelte Freude mit einem Mal vervielfacht. Denn es ist etwas ungemein Lehrreiches, Bewegendes, Bereicherndes, solche Briefe zu betrachten und zu überdenken. Jedes einzelne Stück erzählt seine Geschichte auf eigene Weise. Das gleicht einem hell erleuchteten Fenster, durch das man viel Schönes, Einzigartiges, Unerwartetes sehen kann. Die Titelabbildung des Faltblattes zur Ausstellung und unser Plakat zeigen das.

„Je länger wir einen Brief betrachten, desto länger blickt er auf uns zurück!“ (Karl Kraus)

Die frappierende elektronisch-technische Entwicklung der letzten Jahre hat ernst zu nehmende Konkurrenten des Briefes hervor gebracht. Telefon, Fax, SMS und die ungeahnten Möglichkeiten von Computer und Internet verdrängen den herkömmlichen Brief. Sie sind – Ironie des Schicksals - in der Regel schneller, billiger, leichter zu handhaben und auch noch persönlicher. Damit werden auch die Künstler, die sich dieses ersprießlichen Gestaltungsbereichs noch bedienen, immer weniger. Und so gehört eine Ausstellung dieser Art heute schon zu den ganz großen Seltenheiten. Das ist einerseits tief zu bedauern. Ein wichtiger und ernst zu nehmender Zweig zwischenmenschlicher Kommunikation und Kultur fällt damit ein für alle Male unwiederbringlich weg. Andererseits lässt sich die technische Weiterentwicklung kaum bremsen. Aber ist das, auf den Brief bezogen, wirklich ein Fortschritt? Sind wir nicht um einen wunderbaren Zweig schöngeistiger menschlicher Verbindung ärmer geworden?

Für diese Ausstellung im Stadtmuseum wurden aus einer privaten Schriftensammlung 50 illustrierte Briefe und Karten zur Verfügung gestellt. Sie stammen von folgenden Künstlern aus Ost und West, von früher und heute: Prof. Albrecht von Bodecker, Feliks Büttner, Alexander Gerbig, Erich Gerlach, Lutz Gode, Anette Groschopp, Prof. Karl-Georg Hirsch, Horst Jockusch, Joachim Kratsch, Uwe Jens Lehmann, Günter Lerch, Prof. Gabriele Meyer-Dennewitz, Prof. Paul Michaelis, Prof. Armin Münch, Werner Wolfgang Neumann, Dr. Rüdiger Reinhardt, Werner Schinko und Wolfram Schubert.

Aus besagter Sammlung sind in letzter Zeit wiederholt interessante Ausstellungen mit immer wieder anderen Exponaten formiert worden. Sie fanden in Städten von „A“ wie Altenburg oder Arnstadt bis „Z“ wie Zwickau statt. Dazwischen Hamburg, Leipzig, Erfurt, Heidelberg, Frankfurt/Main. Ganz erfreulich jeweils die rege Resonanz beim Publikum. Diese wünschen wir uns auch in Memmingen.

Ungemein faszinierend, was die Künstler mit leichter Hand flüssig zu Papier bringen. Auch wie sie das tun ist bemerkenswert. Schlichte Skizzen und hauchzarte Anlagen kontrastieren mit dramatisch zupackenden, fest gefügten Formen. Auch in der Thematik dieser kleinen Kunstwerke stößt Unangenehmes (Krieg, Gewalt, Terror, Flucht) unmittelbar auf die schönsten Erlebnisse (Reisen, Liebe, Theater, Kunst, Literatur, Märchen und Sagen). Beeindruckend, wie souverän die Künstler Schrift und Bild gestalterisch miteinander verbinden. Da dringen die Bildformen vorsichtig oder rabiat in die Zeilen ein, biegen die Blöcke auseinander, werden von der Schrift vernetzt, verkeilt, bogenförmig umschrieben oder gerahmt. Immer korrespondiert die charaktervolle Ausprägung und Ästhetik jeder Handschrift mit den angewendeten Schreibtechniken. Diese reichen vom einfachen Bleistift über Kugelschreiber bis hin zu Feder, Tusche, Tinte. Auch die verschiedenen bildnerischen Techniken offenbaren die charakteristische künstlerische „Handschrift“ des jeweiligen Schöpfers. Im ganz eigentümlichen Duktus gefügt, kommt man zu Bildlösungen von bezaubernder Unbefangenheit und schöpferischer Beweglichkeit.

Meist sind es Handzeichnungen mit Farb- und Filzstiften, kleine Malereien mit Wasserfarben, Papier-Collagen oder Druckgrafiken des Hoch- und Tiefdrucks, die sensibel einbezogen werden. Nicht zu übersehen, dass der besondere Reiz in der Klarheit des gestalterischen Vortrags und im Streben nach Einfachheit liegt. Das zeigen besonders deutlich die Beispiele, die mit denselben Mitteln – meist Schreibfeder oder Kugelschreiber – sowohl geschrieben als auch gezeichnet wurden. Besonderes Augenmerk verdienen die Fügungen, in denen die Schrift gleich als echtes Gestaltungsmittel verwendet wird. Das Spontane, Unmittelbare, intensiv Erlebte dominiert auf faszinierende Weise. Manche Briefe haben etwas Tagebuchartiges. Man schreibt sich Ideen, Meinungen, Vorhaben gleichsam von der Seele. Reichtum und Sparsamkeit an Formen und Farben wechseln einander spannungsvoll ab. Ebenso sprudelnde Erzählfreude, Lebendigkeit und Spaß an der Sache. Originalität, außerordentliche Empfindsamkeit und breite schöpferische Fantasie kommen vielseitig zur Geltung.

Das sind echte Wertkriterien dieser herzerfrischenden, in sich beschwingten kleinen Schau. Sie stellt sich gleichsam als „bunter Blumenstrauß“ unseres Lebens, Erlebens und Denkens dar. Fantasie und Wirklichkeit also in schöner, reiner und frischer Wechselbeziehung. Freude und Spaß in den verschiedensten Schattierungen spielen mit. Sie haben nicht nur die Schöpfer während der Fertigung bewegt. Sie können und sollen auch auf die Betrachter überspringen. Das ist aber nur dann zu erwarten, wenn wir uns auch die Zeit nehmen, die Blätter mit Muße anzuschauen. Dann finden wir viel Sehens- und Staunenswertes, das wir beim schnellen Durchschreiten der Exposition mit Sicherheit nicht wahrnehmen. Viele Aspekte des Schönen, Außergewöhnlichen, Beeindruckenden werden dann sichtbar. Jedes einzelne Exemplar offenbart auch sehr viel Entdeckenswertes über die jeweiligen Verfasser, die Entstehungszeiten, die Anlässe der Äußerungen usw.

Wer sich nun für das wunderschöne, immer seltener werdende Gebiet der Bilderbriefe interessiert, dem sei dieser Bildband empfohlen: „Adé 20. Jahrhundert – illustrierte Künstlerschriften beleuchten Licht- und Schattenseiten“ (231 Seiten, 183 Abbildungen, 343 Anmerkungen). Die in der Ausstellung vertretenen Künstler finden sich in dem Buch mit vielen Beispielen. Neben weiteren interessanten Drucksachen ist das Buch im Museum erhältlich.