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"Memminger Freiheitspreis 1525"

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Preisträger 2016: Bischof Dr. Erwin Kräutler

Bischof Dr. Erwin Kräutler wurde am 25. September 2016 mit dem Memminger Freiheitspreis ausgezeichnet. Der katholische Geistliche lebt seit über 50 Jahren in Brasilien und setzt sich dort für die grundlegenden Rechte der einfachen Bevölkerung ein.
Portrait von Bischof Dr. Erwin Kräutler

Der katholische Bischof Dr. Erwin Kräutler lebt und arbeitet seit über 50 Jahren in Brasilien. Er wurde 1939 in Koblach/Vorarlberg in Österreich geboren. 1958 trat er in die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut ein. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie folgte 1965 die Priesterweihe. Im selben Jahr ging Erwin Kräutler als Missionar nach Brasilien und wirkt seitdem als Seelsorger im Amazonasgebiet. Im November 1980 wurde Erwin Kräutler zum Bischof der Diözese Xingu berufen, ein Amt, das er bis zu seiner Emeritierung im Frühjahr 2016 innehatte. Bischofssitz ist die Stadt Altamira im Norden Brasiliens. Die Diözese Xingu, benannt nach einem Nebenfluss des Amazonas, ist flächenmäßig ungefähr so groß wie Deutschland.

Bischof Kräutler, Dom Erwin, wie er in Brasilien genannt wird, wurde durch sein jahrzehntelanges Engagement zu einem der wichtigsten Fürsprecher der indigenen Völker Brasiliens und ihrer grundlegenden Menschen- und Lebensrechte. Er setzte sich für die Rechte von Frauen in Lateinamerika ein und kämpfte für die staatliche Anerkennung von Rechten der Indios. Gemeinsam mit seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern erreichte Bischof Kräutler, dass im Jahr 1988 die Rechte der indigenen Bevölkerung in der Verfassung von Brasilien verankert wurden.

Seine Arbeit und sein Einsatz gelten der „Option für die Armen und die kulturell Anderen“. Seinen Auftrag als Christ sehe er nicht darin, so formulierte Erwin Kräutler einmal, den Menschen in Lateinamerika ein abendländisches Glaubenspaket zu übergeben, sondern in einem solidarischen Mit-Leben zu erfahren, wie sie denken und wie sie selbst sind. Der Bischof prangert aus diesem Verständnis heraus immer wieder politische, wirtschaftliche und soziale Ungerechtigkeiten an. Er prägte den Begriff „Mitwelt“, der eine Aufwertung des Begriffs „Umwelt“ in sich trägt und trat immer wieder gegen ökologische Missstände auf. Bischof Kräutler benennt die Folgen, die durch die Aneignung indigenen Landes für Zwecke des Siedlungsbaus, der Agrikultur oder der Energiegewinnung entstehen. Bis heute kämpft er gegen eine Ausbeutung Amazoniens. Jahrelang setzte er sich gegen das riesige Staudammprojekt Belo Monte ein, durch das Ackerland und Regenwald auf einer Fläche, die ungefähr dem Bodensee entspricht, überflutet werden soll.

Im Jahr 1983 wurde Kräutler wegen seiner Teilnahme an einer Solidaritätsaktion mit Zuckerrohrpflanzern, die mehrere Monate keinen Lohn mehr erhalten hatten, von der Militärpolizei festgenommen und gefoltert. Am 16. Oktober 1987 überlebte er einen Mordanschlag schwer verletzt. Immer wieder wurde sein Leben bedroht, seit Jahren steht er unter Polizeischutz.

In Vorträgen, Diskussionen und bei Konferenzen setzt sich der katholische Geistliche für den Überlebenskampf der indigenen Völker auf dem lateinamerikanischen Kontinent  und für den Erhalt ihres Lebensraums ein und drängt zum Bewusstseinswandel sowohl vor Ort wie auch in den westlichen Industrienationen.